Wo Verse und Tore fallen

USA · Kanada · Mexiko · Juni–Juli 2026

14. Juli 2026

Der grüne Tisch

Der Wagen glänzt im Abendlicht,
als kenne er die Zweifel nicht.
Die Grenze liegt nur eine Stunde fern,
dort glimmt am Himmel schon ein Stern.

Ein Portier öffnet leis die Tür,
als wartete das Glück schon hier.
Der Teppich schluckt den letzten Schritt,
ein Lächeln geht im Saal gleich mit.

Der Croupier nickt mit höflichem Gesicht,
als kenne er das Ende nicht.
Die Karten fallen, still und klar,
als wär das Schicksal berechenbar.

Du glaubst, das Spiel sei dein Revier,
das Glück steht wieder neben dir.
Ein Gewinn — und wieder mehr,
der Traum wird groß, das Herz wird schwer.

Dann nimmt die Nacht zurück, was sie geliehn,
und lässt dich weiter an den Tischen ziehn.
Du setzt die Vernunft auf eine Zahl,
verlierst zuerst die freie Wahl.

Dann folgen langsam Haus und Zeit,
am Ende selbst die Wirklichkeit.
Zu Hause fragt man still: „War es Glück?“
Du lächelst nur und blickst zurück.

Die Wahrheit bleibt im Mantel stehn,
den keiner hebt, um sie zu sehn.
Der grüne Filz kennt keinen Stand,
nicht Rang, nicht Geld, nicht Vaterland.

Er fragt nicht nach dem großen Namen,
er nimmt sie alle still zusammen.
Noch brennt ein Licht im Fenster dort,
als trüge es dein Schweigen fort.

Sie warten still — vielleicht auf dich,
ein leises Hoffen regt sich.
Nicht jeder Weg endet im Licht —
doch ohne Hoffnung geht er nicht.

© Max Vödisch

1 Aufrufe
Max Vödisch Sonstige Gedichte 0 Kommentare ~2 Min. Lesezeit
Teilen: Facebook X WhatsApp

Ähnliche Gedichte

ÄHNLICHE GEDICHTE

Kommentare

Noch keine Kommentare — schreibe den ersten!

Bitte melde dich an um zu kommentieren.

Anmelden
Login
Aktiv in · Sonstige Gedichte
Neue Autoren
Neue Abzeichen
Meist gelesen · Sonstige Gedichte
Gedicht des Tages

  Alles geht viel zu schnell vorbei,Freundschaft, Glück, sogar Liebelei,besser wär´s, nicht dran z…

Gedicht lesen
Kurze Umfrage

Hilf uns Gedichtesammlung.net weiterzuentwickeln — wir freuen uns über deine Meinung!

Zur Umfrage
Beliebt diesen Monat
Neue Autoren
Zufallsgedichte
Schlagworte