Die Schönheit unserer Sprache in Versen

Tag der deutschen Sprache

11. Mai 2020

So nah und doch so fern

So nah und doch so fern

Jede Woche kommt er mit dem Zug,
um für sie einkaufen zu gehen.
Telefonieren ist ihm nicht genug.
Er möchte seine Mutter sehen.

Das Wohnheim darf er nicht betreten,
er klingelt kurz, lässt Zeit verstreichen.
Alles, worum sie ihn gebeten,
muss jetzt für eine Woche reichen.

Sie holt den Einkauf in die Wohnung.
und stellt sich dann auf den Balkon.
Traurig winkt sie ihm zur Belohnung.
Das macht sie nun seit Wochen schon.

Er setzt sich noch kurz auf die Bank,
der Zug geht erst in ein paar Stunden.
Im Stillen denkt er "Gott sein Dank,
sie hat hier ihren Platzt gefunden".

Heute wirkt sie doch ganz munter.
Was macht sie nur ?, denkt er gespannt.
Sie wirft ihm etwas Süßes runter.
„Gute Heimreise, dein Proviant!“

„So nah und doch so fern" ist ein Gedicht aus der Kategorie Sonstige Gedichte von Gudrun Nagel-Wiemer, veröffentlicht am 11. Mai 2020 auf Gedichtesammlung.net.

© Gudrun Nagel-Wiemer

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Gudrun Nagel-Wiemer

Deutschland

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7 Kommentare

pally66
pally66 Poet Laureat
13.05.2020
Hallo Gudrun, schön, wenn überhaupt noch jemand da ist, der kommt und hilft, wenn auch nur auf Abstand. Schlimmer ist derjenige dran, der keine Angehörigen mehr hat. LG pally
Gudrun Nagel-Wiemer
Antwort an pally66
13.05.2020
Da hast du völlig recht, Pally. Ich habe einiges erlebt, als meine Mutter im Pflegeheim war. Jedoch finde ich es bemerkenswert, dass jemand wöchentlich eine ländere Zugreise in Kauf nimmt, um für die Mutter einkaufen zu gehen. Danke für das Herz unter meinem Gedicht. LG Gudrun
Ewald Patz
Ewald Patz Dichterlegende
13.05.2020
Sehr schön Gudrun.
LG
Ewald
Heute Nacht ,oder am Morgen ,hat mir der Reiher Goldfische aus meinem kleinen Teich
geholt. Die Überlebenden verstecken sich jetzt.
Sandfresser
Sandfresser Lyriker
12.05.2020
Eine schöne Bank für die Leutchen.
Gudrun Nagel-Wiemer
Gudrun Nagel-Wiemer Autor Dichterlegende
12.05.2020
Liebe Hanni, ich möchte mich für das Herz bedanken und den netten Kommentar auf meiner Homepage. Habe mich sehr gefreut. Das Gedicht habe ich für meinen Cousin geschrieben, der jede Woche aus Frankfurt kommt und für seine Mutter einkauft und nach dem Rechten schaut. Besuche sind noch nicht erlaubt, so winkt sie ihm vom Balkon und hofft, dass sich die Situation bald ändert. LG Gudrun
Ewald Patz
Ewald Patz Dichterlegende
12.05.2020
Sehr schön Gudrun.
LG
Ewald
Heute Nacht ,oder am Morgen ,hat mir der Reiher Goldfische aus meinem kleinen Teich
geholt. Die Überlebenden verstecken sich jetzt.
Gudrun Nagel-Wiemer
Antwort an Ewald Patz
12.05.2020
Ewald, bei uns hat der Fischreiher auch kräftig zugeschlagen, da werde ich demnächst mal wieder einige Fische kaufen müssen. Danke, dass du mein Gedicht bewertet hast. LG Gudrun

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