Sonstige Gedichte



13. August 1961



 

Frühstückstisch mit Blick aufs Meer

St. Raphael – vor uns der Strand.

Vater eilt von draußen her;

die Le Monde in der Hand.

 

Traurig blickt er – sorgenvoll -

und dabei ist Sonntag heut.

Was verursacht ihm jetzt Groll;

eben war er noch erfreut.

 

SONNTAG, 13. AUGUST ...

Schlagzeilen in fremder Sprache.

Fassungslos wird uns bewusst:

hochbrisant ist diese Lage.

 

Eine Mauer trennt Berlin

von nun an in Ost und West.

Zeit für uns, nachhaus zu ziehn.

Nichts und niemand hält uns fest.

 

Mutter ist so fern von hier.

Unbehagen füllt den Raum;

Bangen treibt uns heim zu ihr.

Côte d´Azur – nun aus der Traum.

 

Wie mag es den Menschen gehen,

die dem Schicksal über Nacht

machtlos gegenüber stehen -

mund- und seelentot gemacht.

 

Ach, bin ich im Herzen froh,

diesseits dieser kalten Mauer

und nicht östlich anderswo

leben müssen auf die Dauer.

 

 

Foto und Worte (C) Ingrid Bezold

Gelesen: 89   
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AUTOR:

Mein schönstes Gedicht
ich schrieb es nicht
aus tiefsten Tiefen stieg es
ich schwieg es

Mascha Kaleko


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4 KOMMENTARE



11. August 2025 @ 14:27

Liebe Gudrun,
ja, der Krieg war eine schlimme Zeit. Auch ich habe in einer Kiste den Briefwechsel meines Vaters mit seinen Brüdern und Kameraden aufbewahrt. Keiner wusste, ob die Verwandten und Freunde noch lebten und wo.
Bis zum Ukraine- Krieg fühlte sich unsere und die nachfolgenden Generationen so sicher und keiner dachte, dass es ganz anders kommt.
Ich danke dir fürs Mitgehen und das Herzchen.

Liebe Grüße
Ingrid







11. August 2025 @ 09:10

Guten Morgen, liebe Ingrid, da ist mir beim Lesen ein Schauer über den Rücken gelaufen. Ein ähnliches Gedicht habe ich vor Jahren einmal geschrieben. "Vaters altes Tagebuch" hieß es, welches wir im Nachlass einer Tante gefunden haben und schreckliche Erlebnisse von der Flucht meines Vaters aus der Kriegsgefangenschaft enthielt.
Es gibt viele traurige Momente im Leben, die wir nicht vergessen können. Einen sonnigen Montag wünscht dir Gudrun


11. August 2025 @ 08:47

Guten Morgen, liebe Grete.
Es gibt Momente im Leben, die man nie vergisst.
Nachrichten, als J.F. Kennedy ermordet wurde.....mein Onkel kam von weither zu Besuch und im Radio zeitgleich die Meldung.

Liebe Grüße und vielen Dank
Ingrid


10. August 2025 @ 18:08

... liebe Ingrid , mal nicht von einem Chronisten sachlich berichtet, sondern feinfühlig diese Augenblicke in lyrischer Form verpackt . Ich lese immer sehr interessiert solche Zeitdokumente ,(auch die Vereinigung) da ich den größten Teil meines Lebens nicht in Deutschland verbrachte berühren und interessieren mich solche persönliche Elebnisse sehr . Viell. vertextest du auch mal die Gefühle der Vereinigung.
Lb. G.
G.



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