15. Juni 2021

Das alte Waisenhaus

Das alte Waisenhaus

Wenn jemand eine Reise macht,
dann kann er viel berichten.
Man erlebt die skurrilsten Dinge
und die verrücktesten Geschichten.

Viele Hotels hatten noch geschlossen,
wir suchten ein zentrales aus.
Als wir das Foyer betraten,
erinnerte alles an ein Waisenhaus.

Bilder hingen an den Wänden,
von Kindern, die das Herz berühren.
Ich schaute in traurige Gesichter.
Freude war hier nicht zu spüren?

Ich ging die Holzdielen entlang,
habe an die Schicksale gedacht.
Wie oft haben sie wohl geweint?
Wer hat sie wohl ins Bett gebracht?

Eine lebensgroße Frau aus Pappe,
in einer schlichten Ordenstracht,
stand wie eine Statue in der Ecke.
Sagte sie den Kindern "Gute Nacht"?

Meine Stimmung war gedrückt,
kein Prunk, nur leicht gedämmtes Licht.
Die Wände waren weiß gestrichen.
wohl fühlen konnte ich mich nicht.

„Das alte Waisenhaus" ist ein Gedicht aus der Kategorie Sonstige Gedichte von Gudrun Nagel-Wiemer, veröffentlicht am 15. Juni 2021 auf Gedichtesammlung.net.

© Gudrun Nagel-Wiemer

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Gudrun Nagel-Wiemer Sonstige Gedichte 2 Kommentare ~1 Min. Lesezeit
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Gudrun Nagel-Wiemer

Deutschland

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2 Kommentare

pally66
pally66 Poet Laureat
18.06.2021
Hallo Gudrun, beim Lesen der ersten Zeilen habe ich zunächst an ein Museum oder eine Gedenkstätte gedacht , aber nicht an ein Hotel. Aber heutzutage kann man ja alles "versilbern". In so einer Atmosphäre, immer das Schicksal der Kleinen im Hinterkopf, könnte ich auch keinen entspannten Urlaub verleben. Wie viele kleine Herzen auf Ewig einen Schaden davon getragen haben, möchte man gar nicht wissen. Im Nachhinein will dann niemand Schuld daran gewesen sein. LG Helga
Gudrun Nagel-Wiemer
Antwort an pally66
18.06.2021
Helga, das war schon ein komisches Gefühl. Wie viele einsame Seelen dort wohl ihre Kindheit verbracht haben. Das hat mich noch ein paar Tage beschäftigt. Das Waisenhaus wurde nach der Wende von der Stadt zum Hotel umgebaut. Sehr spartanisch eingerichtet. Früher hat man im Osten den Familien oft die Kinder weggenommen, daran musste ich ständig denken. LG Gudrun

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