Wenn jemand eine Reise macht,
dann kann er viel berichten.
Man erlebt die skurrilsten Dinge
und die verrücktesten Geschichten.
Viele Hotels hatten noch geschlossen,
wir suchten ein zentrales aus.
Als wir das Foyer betraten,
erinnerte alles an ein Waisenhaus.
Bilder hingen an den Wänden,
von Kindern, die das Herz berühren.
Ich schaute in traurige Gesichter.
Freude war hier nicht zu spüren?
Ich ging die Holzdielen entlang,
habe an die Schicksale gedacht.
Wie oft haben sie wohl geweint?
Wer hat sie wohl ins Bett gebracht?
Eine lebensgroße Frau aus Pappe,
in einer schlichten Ordenstracht,
stand wie eine Statue in der Ecke.
Sagte sie den Kindern "Gute Nacht"?
Meine Stimmung war gedrückt,
kein Prunk, nur leicht gedämmtes Licht.
Die Wände waren weiß gestrichen.
wohl fühlen konnte ich mich nicht.
„Das alte Waisenhaus" ist ein Gedicht aus der Kategorie Sonstige Gedichte von Gudrun Nagel-Wiemer, veröffentlicht am 15. Juni 2021 auf Gedichtesammlung.net.
© Gudrun Nagel-Wiemer
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