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Wo Verse und Tore fallen

USA · Kanada · Mexiko · Juni–Juli 2026

30. März 2014

Die Racheballade des weißen Hirsches

Als hätte die Waldvilla Milchglasfenster,
dichter Nebel hüllte den späten Abend ein,
Baumsilhouetten wirkten wie Gespenster,
im leicht durchdringendem Mondschein.
 
Von weiten erklang Krähen-krächzen,
etwas bewegte sich in düsterer Nebelgischt,
starke Windböen drehten, Äste ächzten,
und dann sah Don dieses gleißend-weiße Licht.
 
Es erhellte für ein Moment die Nebelnacht,
verschluckte fast Oleg und Iwans Geschrei,
sie hatten Don gestern die Lieferung gebracht,
den weißen Hirschkopf mit Prachtgeweih.
 
Er war ein russischer Mafiosi, dieser Don,
spezialisiert auf seltene Tiertrophäen,
außer solch Hirschkopf besaß er alle schon,
jene konnte man in seiner Villa hängen sehen.
 
Überall thronten Köpfe der Tierwelt,
ran-geholt, wie in blutigen Horrorthrillern,
dank Korruption, mit Don-Putinos Geld
und rabiat-professionellen Tierkillern.
 
Als Don den Hirsch sah, in Katalog-Bildern,
das, aus Moritzburg, Sachsens Tiergehegen,
durfte er sofort sein Wunschplan schildern,
dabei kam ihm die Silvesternacht entgegen.
 
Jetzt hing der Kopf im Empfangssaal,
von Oleg und Iwan grausam abgetrennt,
ihre Schreie erstarrten auf einmal,
man hörte, dass etwas um die Villa rennt.
 
Um schnell nach draußen zu gelangen,
musste Don durch den Empfangsraum gehen,
doch die Hirschtrophäe schien abgehangen,
dafür konnte er abgetrennte Köpfe sehen.
  
Beide, Olegs und Iwans, hingen nun dort,
an ihren Äxten, Blut tropfte heraus,
der Wald wurde zum schallend-röhrenden Ort
und wirbelnder Lichtnebel zog Don vors Haus.
 
Aus dem Nebelgespinst wandelte Gestalt,
ein riesig-weißer Hirsch kam im vollen Lauf,
seine Rache,
im Silber-fluoreszieren war eiskalt,
denn seine Geweih-Enden spießten ihn auf.

© Karsten Herrmann

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Karsten Herrmann Sonstige Gedichte 0 Kommentare ~2 Min. Lesezeit

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