Sonstige Gedichte



Vaters altes Tagebuch



Das Tagebuch in meinen Händen
ist ein ganz besonderer Schatz.
Es hat in unseren vier Wänden
auch einen Ehrenplatz.
Es schildert schlimme Zeiten
aus der Kriegsgefangenschaft.
Auf kleinen vergilbten Seiten,
- geschrieben mit letzter Kraft.

Niederschmetternde Berichte,
voller Schmerz und Traurigkeit.
Herzzerreißende Gedichte,
voller Sehnsucht und Einsamkeit.
Krieg, Angst, Gefangenschaft,
Krankheit, - geplante Flucht.
Aus der Hoffnung kam die Kraft.
Nach einem Ausweg wurde gesucht.

„Wie furchtbar“, habe ich gedacht.
„Was mussten Menschen im Krieg ertragen?“
Es wurde sich, so manche Nacht,
verzweifelt durchgeschlagen.
Kein warmes Bett, die Füße wund;
Schuhe und Strümpfe immer nass.
Gepäck, so an die 60 Pfund,
halb verhungert, hager, blass.

Mach Kornfeld diente am Tag als Schutz,
Mond und Sonne nachts als Orientierung.
Übermüdung, Kälte, Nässe, Schmutz.
Jeder Bach war eine Verführung.
Trinkwasser wurde abgefüllt,
entkeimt stets mit Tabletten.
In Landeskleidung eingehüllt,
versuchte man sich zu retten.

Gehetzt wie wilde Tiere,
bei Regen durch Wald und Feld.
Den Feind stets im Visiere;
nicht einen Pfennig Geld.
Den Freund an seiner Seite,
des Nachts auf Wanderschaft.
Durch Frankreichs unendliche Weite,
haben sie es geschafft.

Tränen kamen plötzlich auf,
mein Herz wurde so schwer.
Das ist wahrlich ein Lebenslauf,
den wünscht sich niemand mehr.
Da wird man dankbar und beschämt,
sieht vieles in einem anderen Licht.
Was mich bisher so oft gegrämt,
das zählt auf einmal nicht.

 

 

Gelesen: 34   
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AUTOR:

Liebe Freunde der Poesie,
Schreiben, Malen und Fotografieren sind drei meiner vielen Hobbys. In diesem Forum könnt ihr über 350 Gedichte von mir lesen. Ich schreibe über Geschehnisse im Alltag, über Urlaubserinnerungen und hoffe mit Denkanstößen aufrütteln zu können. Wenn ihr etwas tiefer in meine Welt eintauchen möchtet, besucht mich auf meiner Homepage.



Mit lieben Grüßen, Gudrun Nagel-Wiemer


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7 KOMMENTARE



20. Februar 2020 @ 01:37

dein Werk ein großartiges Zeitzeugnis und eine Warnung an die ,
die heute leider nicht verstehen wollen
was die Schrecken des Krieges für Leid erzeugen. Danke für diesen Beitrag :) lg


20. Februar 2020 @ 09:07

Danke, Iljana, beobachte die Entwicklung auch sehr skeptisch. Einige haben aus der Vergangenheit nichts gelernt.
Hanni und Daniela Pally und Christian, freue mich über die Herzchen und Kommentare.


18. Februar 2020 @ 18:29

Hallo Gudrun,gut das Du deinen Vater noch immer so liebst..
ps.das -hat- fehlt im Ehrenplatz Satz


18. Februar 2020 @ 19:21

Danke, Christian, hab es eingefügt. LG


18. Februar 2020 @ 16:54

Hallo Gudrun,
Dein Gedicht hat mich zutiefst bewegt. Schrecklich, wieviel Männer im Krieg gelitten haben und verheizt worden sind. Auch mein Vater ist mit 25 Jahren in Rußland gefallen, einen Monat nach meiner Geburt.Bloß keinen Krieg mehr!
Dir einen gemütlichen Abend und liebe Grüße Hanni


18. Februar 2020 @ 19:25

Hanni, mich bewegt es auch immer wieder. Manchmal hole ich es hervor, dann fließen beim Lesen ein paar Tränen.
Solange unser Vater lebte, wurde nie darüber gesprochen. Irgendwann tauchte im Nachlass einer Tante das Tagesbuch unseres Vaters auf. Auch wunderschöne Gedichte darunter. LG Gudrun


18. Februar 2020 @ 14:00

Hallo, diese Zeiten wünscht man sich und den kommenden Generationen nicht zurück. Obwohl man manchmal schon den Eindruck bekommt, dass es wieder Leute gibt, die diese Situation heraufbeschwören. Schönen Tag, pally



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