Gedichte über Glück



In der Fussgängerzone



Sie lauscht der Melodie am Saxophon.

"Over the Rainbow" spielt der junge Mann

und die Passanten eilen vollbepackt davon;

niemand hält ein und hört es an.

 

Die Bank - als wollte sie den Baum umschlingen -

steht kreisrund in der autofreien Zone.

Die Glocken von Sankt Lorenz klingen

und vorm Portal die vielen Telefone.

 

Zu ihrer Linken sieht man bunte Kästen

mit Obst, Gemüse und den frischen Pilzen.

Die Bauern bieten feil die frisch gepressten

Äpfel und auch die selbstgemachten Sülzen.

 

Inmitten dieser bunten Wochen - Szenerie

sitzt sie, kaut Breze und genießt das Leben.

Der Musiker spielt nun die "Schicksalsmelodie".

Sie nähert sich, um ihm ein Dankeschön zu geben.

 

Dann schlendert sie zum großen Gotteshaus;

verweilt still unterm Engelsgruß*.

Einst stand als Braut sie mit dem Rosenstrauß

und auf dem Schleier Pfarrer´s Fuß.

 

Ein Schreckmoment; es ruckelte am Schopf

und drohte, ihren Brautschmuck abzuwerfen.

Der Bräutigam, er war ein kluger Kopf;

verstand humorvoll, diese Lage zu entschärfen.

 

Schon lange her, der Tag im nebligen November.

Ihr Mann ruht längst in irgendeinem Anderswo.

Heut sitzt sie da - lächelnd versunken im Remember ...

und liebt in wieder oder immer noch - und so.

 

                                   *

                                10/2025

* Engelsgruß von Veit Stoß 1517/18 in der Lorenzkirche Nürnberg

Text und Foto (C) Ingrid Bezold

 

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AUTOR:

Mein schönstes Gedicht
ich schrieb es nicht
aus tiefsten Tiefen stieg es
ich schwieg es

Mascha Kaleko


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7 KOMMENTARE



07. Oktober 2025 @ 13:55

Auch ich lerne immer wieder hinzu, Gudrun.
In Foren erfährt man so einiges;-))
Danke auch fürs Herz.
LG Ingrid


07. Oktober 2025 @ 10:21

Liebe Helga, danke fürs Herzchen.
LG Ingrid


07. Oktober 2025 @ 08:41

"Breze" kenne ich nicht, liebe Ingrid, aber du wirst mich sicher aufklären. LG Gudrun


07. Oktober 2025 @ 13:36

Gut zu wissen, Ingrid. Was man doch hier alles lernt… Gruß, Gudrun


07. Oktober 2025 @ 09:24

zu deiner Frage, Gudrun:
In München ist es die Brezel und in Franken die Breze, in die man beißt. LG Ingrid


06. Oktober 2025 @ 19:56

... eine seelische Idylle, gefällt mir so gut - nach mehrmaligem Lesen kam ich zum Schluß - mir gefällt die letzte Str. am besten. Diese Leichtigkeit - ein lyrischer Genuss.
Lb. Gr.
G.


07. Oktober 2025 @ 09:20

Danke für den schönen Kommentar und das Herzchen, liebe Grete.
Dieser Tag in der Fußgängerzone war einfach wohltuend. In dieser Stimmung entstand dieser Beitrag.
LG Ingrid



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