Ina hat sich für die Silvesternacht,
besonders hübsch zurecht gemacht.
Jetzt muss sie sich auch sputen.
Die U-Bahn fährt in zehn Minuten.
Es wird nur eine kurze Fahrt,
das Lokal liegt in der Innenstadt.
Ihre Freundin wird schon warten
und steht draußen, mit den Karten.
Der Wind pfeift ihr um die Ohren,
sie ist schon kräftig durchgefroren.
Hätte sie doch nur Schuhe an,
in denen sie gut laufen kann.
Judith kommt ihr schon entgegen,
nie um einen Spruch verlegen,
posaunt sie gedankenlos heraus:
"Ina, du siehst schrecklich aus?"
Um eine Antwort nie verlegen,
schmunzelt sie: "Wild und verwegen."
"Bevor wir durch die Türe gehen,
solltest du in den Spiegel sehen."
Durch das Lokal dringt Jazz-Musik,
die jungen Damen swingen mit.
Plötzlich ein bekannter Ton.
Ina stutzt, - das ist doch John...
Sie hat ihn Jahre nicht gesehen,
und sieht ihn an der Theke stehen.
Immer noch so sportlich schick,
mit diesem ganz besonderen Blick.
"Hallo John, was machst du hier?"
Er nimmt sie lächelnd ins Visier.
John hat nie lange rumgeeiert.
"Ich wusste, dass ihr Zwei hier feiert."
Inas Herz wird weich und warm,
sie nimmt John gleich in den Arm,
"Schön, dass du gekommen bist,"
hat sie den alten Freund begrüßt.
Es wird getrunken und gelacht,
die Kirchen-Uhr schlägt Mitternacht,
sie hebt ihr Glas an, will daran nippen,
da spürt sie seine weichen Lippen.
Mit beiden Händen in ihrem Haar,
wünscht er "ein gutes, neues Jahr!"
Judith schmunzelt, so breit sie kann.
"Das neue Jahr fängt ja gut an!"

