Es geht ein Mann den Deich entlang
Die Wolken segeln langsam hin,
bis sie in Finsternis verschwinden.
Er kratzt ausgiebig Bart - das Kinn -
wird seinen Weg im Dunkel finden.
Der harsche Wind kühlt seine Glieder.
Die Weite zieht ihn flüsternd fort.
So stand - und steht er nun auch wieder
am heimlichen, vertrauten Ort.
Die Nacht hüllt ihn in tiefe Schwärze.
Kein Mond scheint. Keine Sterne blinken.
Er greift zur mitgebrachten Kerze;
zündet sie an und lässt sie sinken.
Die kleine Flamme schwimmt hinaus,
sobald die Flut das Land erreicht.
Er weiß: das Licht geht ihm nicht aus:
es hebt und senkt sich nur ganz leicht.
Er könnte auch an´s Grabmal gehen,
wo sie in schwerer Erde ruht.
Nein, denn nur hier, wo Winde drehen,
tut sie ihm in der Seele gut.
So zündet er in mancher Nacht
ein Licht im trüben Dunkel an.
Wenn er dort draußen leise lacht,
erzählt man sich im Ort vom Mann.
...In Ehrfurcht von dem Kerl am Deich,
der ruhelos an´s Ufer strebt...
Verstehn sein Sehnen wohl - obgleich:
auch nicht, weil er von Träumen lebt.
*
Es kam ein klirrend kalter Winter:
am Ufer saßen zwei Gestalten...
Der Mann, die Frau, und gleich dahinter,
die Boote, die im Eiswind halten.
Die Nacht war dort, wo beide saßen
von magisch hellem Schein durchbohrt.
Sie fuhren lichte Wasserstraßen
hinaus, zu sich, und nie mehr fort.
Worte & Bild: (c) Ralph Bruse
© Ralph Bruse
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9 Kommentare
sein für den, der da am Deich langgeht und eine Kerze für einen Menschen anzündet.
Danke fürs Herkommen.
Grüße von Ralph
Abwechslung muss auch mal sein. Lese gerne Heinz Erhardt, aber auch Theodor Storm.
Jeder schreibt das, wonach ihm oder ihr gerade ist.
Das Bild erinnert mich ein wenig an den Deichgrafen Hauke Haien, nur hatte der ein Pferd.
Auch wenn s düster ist, hab s trotzdem gern gelesen.
Düstere ? Nee - liebe Grüße zu dir Heike
Na ja, sind schon traurig, die Zeilen.
Danke, daß Du trotzdem reingelesen hast und fürs Gefallen.
Ein schönes Wochenende für Dich.
Sei gegrüßt von Ralph
Danke fürs Lob.
Grüße von Ralph
Großes Kompliment!
Liebe Grüße Ingrid
Stimmung - keine Sorge. Hab es auch bewusst nicht unter *Trauriges, Kummer, Schmerz, usw. eingestellt - sondern unter *Gedanken, Träume. Frei nach: was vielleicht mal sein könnte und wo der Mensch dann Frieden mit sich selbst findet.
Danke fürs schöne Kompliment.
Liebe Grüße zu Dir
von Ralph