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Der Schneidergeselle

 


In manch schlaflosen Nächten,
seh` ich sein Bild vor mir:
wie er dort sitzt,
in der kleinen Dachkammer,
auf seinem Holztisch,
im Schneidersitz,
auf seinem Schoss
ein Kleidungsstück,
dass es zu ändern gilt;

er trennt Nähte auf,
näht Knöpfe an,
konzentriert, verschwiegen,
seine Hand macht aus Alt wieder Neu,
seine Augenlider reglos,
niemals ganz da,
immr in sich versunken,
niemals seßhaft,
meistens auf der Walz,
in der Hoffnung,
Arbeit zu finden,
auf eine warme Kammer,
einen Schlafplatz,
Essen,

ich sehe ihn,
wie er im Dämmerschein
einer Pretroleumsleuchte
Garn einfädelt,
hält die Nadel etwas schief,
schielt von der Seite,
leckt das Fadenende an,
einmal, zweimal,
steckt es dann durch das Nadelöhr,
zieht es an beiden Enden,
bis es gleich lang ist,
zupft es straff,
am Ende ein Knoten,
dann näht er weiter,
bis Nähte zuammen sind,
Löcher geflickt,
Knöpfe an seinem Platz sitzen,

zufrieden betrachtet er
das fertige Kleidungsstück,
erst dann fragt er sich,
wo er sein Haupt wohl
diese Nacht niederlegen wird?!

Darf er bleiben,
muß er weiterziehen?
Jedesmal das große Bangen,
doch seine Zuversicht
ist größer als die Angst.
So war er :
der Schneidergeselle .

 

 

 

 

 


Gelesen: 108   
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AUTOR:

Schreiben ist schon lange eine Leidenschaft von mir. Inspiriert werde ich vor allem durch die Dinge des täglichen Lebens. Ich lese gern, vor allem dicke Romane, die im Mittelalter spielen. Im Fernsehen sehe ich gern Krimis. Ansonsten koche ich gern, besonders mediterran und orientalisch. Auch Gartenarbeit ist ein Hobby von mir. Tiere mag ich auch, besonders Hunde. Ehrenamtlich habe ich mal eine Kindergruppe geleitet. Gedichte und Literatur interessieren mich sehr.


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4 KOMMENTARE



03. Mai 2025 @ 09:47

Eine nette Kurzgeschichte, aus der Welt des trapferem Schneiderlein. Lange Sätze, da muss man erst mal kräftig durchatmen zum Schluss. LG Gudrun


14. Mai 2025 @ 21:26

Ist das so, mit den langen Sätzen??? Die Atemholpause ist doch drin! Danke fürs Lesen und lG in Deine Nacht, liebe Gudrun, von Helga


03. Mai 2025 @ 08:29

Liebe Helga,
wunderschön, dein Schneidergeselle. Ich seh ihn direkt vor mir mit den Stirnfalten, die sich über seine Näharbeit beugen und vom Petroliumschein schwach beleuchtet werden.

Liebe Wochenendgrüße
Ingrid


14. Mai 2025 @ 21:23

Freut mich, dass Dir mein "Schneiderlein" zugesagt hat, liebe Ingrid. Manchmal muss man auch mal an die beschwerliche alte Zeit erinnern. LG in Deine Nacht, Helga



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