Es geschah vor langer Zeit,
des schönen Harz, am letzten Tag, im April,
Wind heulte, wölfisch, durchs Fichtenkleid,
begleitet von Nebelschleier, mystisch-still.
Delilas Hütte schien, in ihnen, zu schweben,
dünner werdender Welten, von Bergeshöhen,
Duft von Holz und Harz rankten, wie Reben,
mit ihm, dunkel-wisperndes Stöhnen.
Sie fliegen schon, raunten, in ihr, Stimmen,
als Delila Schatten über´ m Vollmond sah,
es waren keine Vögel, im teuflisch-Entrinnen,
der Sabbat-getrieben, fliegenden Hexenschar.
Sowie keine knarzenden Baumbesen,
auf denen sie ritten, durch Feuer-getränkte Lüfte,
es waren Dornenranken, geflochten, auserlesen,
und Menschenhaar, alles roch nach Grüfte.
So schloss die Holde Fenster und Türen,
hörte, flüsternd, von draußen, ihren Namen,
konnte alte Sagen, über Novizen, sinnlich spüren,
des Teufels grünem Trunk, dessen Umarmen.
„Trinkt, Kinder, trinkt ! Die Nacht ist lang !
Schien durch Wände zu hallen, welch Irrwitz,
erinnerte an verzerrten Stimm-Singsang,
Hippenkranz und alte Hexe des achten Beritts.
Und in jenem eisigen Wandel der Nacht,
Wind-verstummen, um Delilas Heim,
duftender Walpurgis-Feuerholz-Pracht,
zu faulig-schwebendem Geruchsschleim,...
...wagte sie sich nicht umzudrehen,
sah nur in den Spiegel ihrer Kommode,
eine Gestalt aus Schatten, schien zu stehen,
griff nach ihr, mit Eishand, gleich aller Tode.
Dabei schaute die Schöne in Augen,
welche, wie glühende Kohlen, glimmen,
als würden sie, Blutmond-rot, alles aufsaugen,
Schreckliches, ewig-fluchend, bestimmen.
Auf einmal Glockengeläut, befreites Schallen,
Walpurgisfeuer-Feierlichkeiten begannen,
mit Männer-Böllern und Peitschen-knallen,
die Schattengestalt schrie tosend und zerrann.
Ein Laut, der wie berstendes Glas klang,
Delila zitterte, im Erleben der Nacht,
wusste Hexen und Teufel... noch zu gang,
hoch oben, auf Brocken, in Walpurgis-Pracht.
Und im Wissen... Frühling würde kommen,
Dunkelheit, nie ganz verschwinden,
schien Delila noch ein wenig benommen,
aber schon, singend, am Blumen binden.
Nach Walpurgisnacht Geschichte, zum Vorlesen,
als kleine Ballade umgewandelt.
K. Herrmann/ Riesa