Eine Kurzgeschichte von Lennox….
Lennox ist fünfzehn Jahre alt und liebt es zu malen und zu schreiben. Ganz in der Nähe wohnt eine ältere Dame, die auch gern malt und auch schon einige ihrer Aquarelle in einem Land Café ausgestellt hat. Ab und zu besucht er sie und darf zuschauen, wenn sie malt. „Ach, könnte ich doch nur so gut malen wie diese Frau“, denkt er oft. Manchmal nimmt sie sich auch Zeit, um ihm ein paar Tipps zu geben und ihm einiges zu erklären. Die Frau aus der Nachbarschaft malt seit ihrer Kindheit und weiß, wie man mit Farben umgeht. Witziger Weise wohnen sie auch beide im Malerviertel.
Sie mag den Jungen und nimmt sich auch heute wieder einmal Zeit für ihn. Als er an der Haustür klingelt, hat er seine Malmappe und einen Aquarellblock unter dem Arm. "Schau mal, sagt er, "hier habe ich all meine Bilder drin." Die Malerin nimmt ihm die Mappe ab und schaut sich seine Werke an. Sie wundert sich im Stillen darüber, dass er seine Werke so ordentlich in einer Mappe aufbewahrt.
Lennox sitzt neben ihr am Tisch, vor seinem Zeichenblock, und überlegt sich ein Motiv. In seinem Kopf passiert allerlei. Er möchte am liebsten mehrere Bilder an einem Tag malen, doch er entscheidet sich für einen schicken Rennwagen mit Spoiler. Die Malerin überlegt einen Moment und sucht gleich nach einem passenden Motiv. „Kannst du mir noch etwas zu trinken bringen“, fragte Lennox, „ich habe Durst!“
„Natürlich“, sagt sie, „dann hole ich dir mal eine Traubenschorle und danach malen wir heute einen Porsche 911, in einem schönen Grün.
Sie zeichnet dem jungen Malschüler den Porsche 911 vor und gibt ihm die Aufgabe, das Papier erst einmal mit einem dicken Marderhaarpinsel nass zu machen. „Sei vorsichtig mit dem Pinsel“, ermahnt sie, „der hat ein Vermögen gekostet.“
Der Fünfzehnjährige nickt verständnisvoll und feuchtet das Blatt an. Lennox mischt schon die grüne Farbe an und möchte das Auto giftgrün ausmalen. Sie erklärt ihm, wie er mit der Farbe umgehen soll. „Du musst die Farbe erst etwas anfeuchten, damit sich die Farbpigmente lösen und auch bitte sehr sparsam mit der Farbe umgehen. So ein kleines Farbnäpfchen kostet inzwischen fast fünf Euro“, erklärt sie dem Jungen. Lennox ist sprachlos, das hätte er nicht erwartet.
Die Tür geht auf und der Hausherr tritt an den Tisch.“ Was malt ihr denn heute?“, fragt er Lennox, der gerade dabei ist, seinen Pinsel auszuwaschen. Der kleine Wasserbehälter kippt um und der Inhalt fließt über die Tischplatte. Gott sei Dank kann er sein Bild retten. Sein giftgrüner Sportwagen ist fast fertig und er ist so stolz auf sein Gemälde.
Ein paar Tage später, kommt Lennox mit einem ganz speziellen Wunsch zum Malen. Dieses Mal möchte er einen berühmten Golfer malen. „Ist das nicht zu schwer?“ fragt die
Dame, den Blick auf den Jungen gerichtet. „Wenn du ihn mir vorzeichnest, schaffe ich das“, war seine Antwort. Die Seniorin sucht auch dieses Mal nach einem passenden Motiv und legt auch sofort los. Der Junge, der selbst Golf spielt, kann es gar nicht erwarten, den Sportler auszumalen.
Draußen ist es bereits dunkel geworden und die Müdigkeit schleicht sich ein. Der Fünfzehnjährige schaut zufrieden auf sein Bild und legt es zum Trocknen an die Seite. Auch die Malerin ist zufrieden mit seinem Werk. „Lass uns Schluss machen, Lennox“, sagt sie etwas erschöpft,“ jetzt brauche ich noch etwas Ruhe. Es wäre schön, wenn du jetzt zusammenpackst und nach Hause gehst. Es war doch recht anstrengend für mich.“ Zufrieden schlüpft der Junge in seine Schuhe, zieht seine Jacke über und verabschiedet sich.
Am nächsten Morgen, klingelt bei der Dame schon in aller Früh das Telefon und Lennox fragt an, ob er wieder vorbeikommen darf. „Heute nicht“, sagt sie im freundlichen Ton,“ ich male selbst und muss mich konzentrieren. Setz dich doch an deinen Schreibtisch, und versuche es heute einmal allein. Ich helfe dir aus der Ferne. „Du musst mir das Bild nur hin und wieder per Whats-App schicken.“
„Wer war das?“, fragt der Mann der Malerin.“ Lennox hat gefragt, ob er wieder zum Malen kommen darf, ich habe ihn vertröstet.“
Lennox nimmt ihren Rat an und versucht es mit einem Blumenbild.“ Gar nicht so schlecht“, schreibt sie ihm, „du könntest in die Blüte noch ein paar Farbakzente setzen. Ein wenig Violett wäre nicht schlecht.“ So ganz auf sich allein gestellt, kommt der Junge an seine Grenzen und merkt, dass es doch viel einfacher ist, wenn jemand daneben sitzt, der auch mal einen Ausrutscher beheben kann und so richtig Spaß, macht es ihm allein auch nicht.
Die Idee zu der Geschichte kam von Lennox, 15 Jahre alt. Er hat sie geschrieben und ich habe sie für ihn korrigiert und veröffentlicht.
