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Voriges Im Rosenfein Nächstes Liebes - Erwachen

Novecento - Neunzehnhundert -



* nach einer Legende vom Ozeanpianisten, der nie an Land ging.*

 

Er wurde gefunden vom Maschinisten

im Ballsaal, auf dem Klavier.

Nackt in einem der Lemonkisten;

still, namenlos – ohne Papier.

 

Die Matrosen nannten den kleinen Mann

Novecento, so wie das Jahrhundert.

Als er allmählich zu wachsen begann,

staunten die Männer verwundert.

 

Das Kind lauschte den Passagieren gespannt,

um viel von der Welt zu erfahren

und eines Tags kannte es jedes Land,

in dem nur die Anderen waren.

 

Irgendwann sah es der Käpt´n als Pflicht,

den Kleinen formell zu erfassen.

Novecento erschrak; er wollte das nicht –

verschwand, sich nicht finden zu lassen.

 

Nach Wochen dachte man, er sei ertrunken:

doch als die Virginian bei Irland lief aus

hat ihn ein Bootsmann im Tanzsaal gefunden.

Der Junge bot kunstvollen Ohrenschmaus.

 

Er saß am Klavier mit baumelnden Beinen.

Artistisch ließ er die Hände fliegen.

Die Menschen begannen vor Rührung zu weinen

und alle im Ballsaal staunten und schwiegen.

 

Er hatte sich diese Kunst beigebracht –

dem Spiel gelauscht, das ihm ins Dunkel klang.

Im Verborgenen bis in die Nacht sich erdacht,

was ihm an Musik in die Sinne drang.

 

Novecento wurde dann weltweit bekannt

als der Pianist, der nie Land gesehn.

Mit dreißig entschloss er sich kurzerhand

von Bord und nur einmal ins Meer zu gehn.

 

Unsicher tapsend trat er zurück;

grummelte seinen Lieblingsspruch:

Ich lass es sein. In den Arsch damit“

und ließ es bei diesem Versuch.

 

Das Ozeanschiff war ihm Heimat und Glück.

Erfüllt war er vom virtuosen Spiel.

Die Seereisen Alt- Neuwelt hin und zurück

das war das Leben, das ihm gefiel.

 

 

Sein Ende?

 

Im Schiff, auf dem Kasten, da stand : Dynamit!

Er lächelte nur: „In den Arsch damit!“

 

 

© Ingrid Bezold

Foto. Pixabay

 

Unten auch vertont (c) I.Bezold

 

 

 

 

 

 

 

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Voriges Im Rosenfein Nächstes Liebes - Erwachen

AUTOR:

Mein schönstes Gedicht
ich schrieb es nicht
aus tiefsten Tiefen stieg es
ich schwieg es

Mascha Kaleko

Übrigens:
Ich schreibe mit Herzblut - authentisch, nicht immer perfekt, aber immer ohne KI.

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8 KOMMENTARE



01. Juli 2025 @ 11:58

Wow, ein großartiger Text und ein toller Rythmus dazu liebe Ingrid,
ich verneige mich still und sage nurmehr - chapeau!

Liebe Grüße
Uschi


01. Juli 2025 @ 12:03

..das macht mich direkt stolz, liebe Uschi. Danke.
Ich hab es aber auch mit Herzblut geschrieben ( vor ein paar Jahren schon).
Liebe Grüße
mit Eiswürfeln zur Abkühlung
von Ingrid


01. Juli 2025 @ 09:03

Die Legende hast wunderbar vertextet, Ingrid, du hast mich auf die Reise genommen. LG Gudrun


01. Juli 2025 @ 09:07

So haben wir beide was davon, Gudrun.
Ahoi
Ingrid


30. Juni 2025 @ 23:50

... danke , mußt nichts wiederholen ,habe alles gelesen, es ist sehr spät , sehr heiß und du bist so lustig - habe seit sehr lange dies Wort "meschugge" nicht gehört.
Gute Nacht
G.


30. Juni 2025 @ 23:19

Alessandro Baricco hat ein Buch über diese Legende geschrieben ( heute übrigens als Film in ARTE etwas verändert). Vor vielen Jahren war ich auf der MS EUROPA und Nicole Heesters hat an verschiedenen Abenden aus diesem Buch gelesen. Und wie!!!! Ich war fasziniert von der LEGENDE und von dieser Frau, die sie mit Leidenschaft vorgetragen hat.
Damals hab ich noch nicht geschrieben und vor einigen Jahren entstand dann diese Ballade.
Über dein Interesse freue ich mich sehr, Grete.

Hier ist es auch tropisch heiß.
Gute Nacht wünscht Ingrid


30. Juni 2025 @ 22:54

... da hast du eine interessante Thematik vertextet. Irgendetwas daran ist mir bekannt , wäre dir dankbar wenn du mich wissen läßt ist es eine Legende oder pure Wahrheit. Es gibt so viele wundervolle Lebensgeschichten , ist doch möglich.
Dir einen kühlenden Gruß, es ist da furchtbar heiss , obwohl es schon 23 Uhr ist
G.


30. Juni 2025 @ 23:25

Liebe Grete, die Hitze macht meschugge. Ich hab versehentlich einen Kommentar geschrieben. Magst du ihn dort nachlesen, dann muss ich nichs wiederholen. Danke.



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