*Der Sprung*
Ich wollte immer schon einmal
den Traum vom Fliegen live erleben.
Drum dacht‘ ich daran voller Qual,
mir mal einen Stoß zu geben.
Und zum Geburtstag dann - ruckzuck-
entschloss ich mich zum freien Fall!
Gab mir persönlich einen Ruck
und ließ mir selber keine Wahl.
Ich prahlte mit geplanter Tat
und als der Tag dann näher kam
holte verzweifelt ich mir Rat,
wie ich dem entkommen kann.
Doch nichts und niemand konnt‘ mich retten,
es kam erbarmungslos die Stund‘,
ich musste in den Himmel jetten.
Da gab‘s für Kneifen keinen Grund.
Da saß ich nun ich armer Wicht
im Flieger, Rucksack umgeschnallt
und zeig ein lächelndes Gesicht,
doch übern Rücken lief‘s mir kalt
in der Höhe etwas später.
Besser nicht eingestiegen wäre,
unter mir 4000 Meter
nichts, nur Luft und Leere!
Was musst‘ ich auch die Angst verleugnen,
und so tun, als ob‘s nichts wär.
Und das alles noch vor Zeugen
macht es doppelt gleich so schwer.
Und während ich es noch bereue,
öffnet sich die Schiebetür
in das grenzenlose Freie;
leichte Panik ich schon spür.
Und die steigert sich noch mehr:
Schon am Haltegriffe die Hände,
der Magen flau, ich schwitze sehr
und denke, dass ich‘s besser fände,
wäre es bereits vorbei.
Doch es beginnt erst, Kopf voraus
und mit viel Respekt dabei
stürz ich aus dem Flieger raus.
Wind pfeift rau um meine Ohren,
zieht die Wangen mir nach hinten,
fühl mich irgendwie verloren,
Schwerkraft ist zu überwinden.
Freier Fall, und immer schneller
dreht sich alles rund um mich.
Dann ein Ruck und es wird heller
und der Fallschirm öffnet sich.
Gleiten, ja fast schon ein Schweben,
unter mir die ganze Stadt.
Möchte mir mehr Zeit nun geben,
werd‘ der Eindrücke nicht satt.
Flieg der Erde sanft entgegen,
alles sieht so winzig aus.
Möchte in den Wind mich legen
und der trägt mich sacht nach Haus.
Nochmal kommt die Angst kurz auf,
doch das mulmige Gefühl
nehm‘ ich wissentlich in Kauf.
Denn es fehlt nicht mehr sehr viel
bis zum Boden und dem Ende
dieses unglaublichen Fluges.
Streck‘ entgegen meine Hände
Mutter Erde frohen Mutes.
Lande am Hosenboden wieder,
festen Grund unter mir spürend,
und ein jedes meiner Glieder
feiert diesen Sprung gebührend.
Voll mit viel Adrenalin
ging ich‘s glatt noch einmal an.
Geb‘ mich dem stolzen Feeling hin:
Geschafft, den großen Schritt getan!
Denn Angst ist da zum Überwinden.
Gründe, etwas lang zu scheuen
wird man immer wieder finden;
doch das würde man bereuen.
Darum keine Zeit verlieren,
Wiederholung unausweichlich.
Wer kann, sollt‘s unbedingt probieren,
denn das Gefühl ist unbeschreiblich!
DerPoet (05/17)
Foto: Chris Peter
