23. August 2026
Es gab nie einen Augenblick,
in dem du nicht hierher gehört hast.
Nicht einen.
Nicht in dem Moment,
in dem du geboren wurdest.
Nicht in den Jahren,
in denen du dich selbst nicht verstanden hast.
Nicht an den Tagen,
an denen du zu laut warst.
Nicht an denen,
an denen du zu still geworden bist
Nicht einmal dann,
wenn du selbst geglaubt hast,
dass für dich kein Platz mehr übrig ist.
Denn wenn du wirklich
nicht hierher gehören würdest
dann hätte die Sonne
irgendwann aufgehört zu brennen.
Das Meer hätte vergessen,
wie man Wellen macht.
Die Erde unter deinen Füßen
hätte keinen Grund mehr,
dich zu tragen.
Und die Sterne über dir
hätten sich in der Dunkelheit verloren.
Aber nichts davon ist passiert.
Die Sonne ist aufgegangen.
Das Meer ist geblieben.
Die Erde hat dich getragen.
Und irgendwo über dir
haben die Sterne weitergeleuchtet
Vielleicht,
weil du nie ein Fehler
in diesem Ganzen warst.
Vielleicht,
weil du immer dazugehört hast.
So wie alles andere auch.
Du bist nicht getrennt
von dieser Welt,
nur weil du dich manchmal
von ihr getrennt fühlst.
Du bist ein Teil von ihr.
Ein winziger Teil
von etwas Unbegreiflichem,
und gleichzeitig
eine ganze Welt für dich allein.
Wie die Sonne
dein Licht besitzt,
ohne das Licht der Sterne
weniger werden zu lassen.
Wie das Meer
seine eigene Tiefe hat,
ohne deshalb weniger
zur Erde zu gehören.
Wie jeder Stern
allein am Himmel steht
und trotzdem
niemals wirklich allein ist.
Vielleicht bist du genauso.
Einzelne Person.
Eigene Geschichte.
Eigene Narben.
Eigene Gedanken.
Und trotzdem verbunden
mit allem,
was vor dir war
und allem,
was nach dir kommen wird.
Sieh dir deine Hände an.
Diese Linien in deinen Handflächen
sehen vielleicht zufällig aus.
Aber sie sind kleine Landschaften.
Täler.
Wege.
Flüsse,
die nirgendwohin führen müssen,
um schön zu sein.
Und hinter deinen Augen
liegt ein ganzes Meer.
All das,was du gesehen hast.
Alles,was du behalten hast.
Alles,was du vergessen wolltest
und trotzdem nie ganz vergessen konntest.
Deine Tränen sind Wasser.
Deine Knochen sind Erde.
Dein Atem ist Bewegung.
Deine Haut trägt Spuren
von allem,
was du überlebt hast.
Und deine Narben
sind keine Beweise dafür,
dass du kaputt bist.
Sie sind Blitze.
Eingefrorene Momente,
in denen etwas in dir
gekämpft hat,
weiterzumachen.
Und deine Sommersprossen
sehen aus wie kleine Sterne,
die jemand auf deiner Haut
vergessen hat.
Vielleicht musst du deshalb
nicht schöner werden,
um hierher zu gehören.
Du musst nicht ruhiger werden.
Nicht einfacher.
Nicht perfekter.
Nicht weniger empfindlich.
Du musst nicht lernen,
weniger Platz einzunehmen,
damit andere mehr davon haben.
Du musst nicht beweisen,
dass du deinen Platz verdienst.
Du musst niemanden überzeugen,
dass deine Existenz
gerechtfertigt ist.
Du gehörst nicht hierher,
weil du alles richtig machst.
Du gehörst nicht hierher,
weil du stark genug bist.
Nicht, weil du nützlich bist.
Nicht, weil jemand dich liebt.
Nicht, weil du etwas Besonderes
leisten musst.
Du gehörst hierher,
weil du da bist.
So einfach.
So schwer.
Du musst dir deinen Platz
nicht verdienen.
Die Sonne verdient sich
ihren Himmel nicht.
Das Meer muss niemanden
überzeugen,
dass es existieren darf.
Die Erde fragt nicht,
ob sie genug getan hat,
bevor sie dich trägt.
Und die Sterne
entschuldigen sich nicht dafür,
dass sie leuchten.
Vielleicht darfst du
genauso sein.
Einfach hier.
Mit all deinen Widersprüchen.
Mit den Teilen von dir,
die du liebst
und denen,
die du noch nicht ansehen kannst,
ohne wegzuschauen.
Mit deiner Vergangenheit.
Mit deiner Angst
Mit deiner Freude
Mit allem
was du geworden bist,
weil du irgendwie
weiterkommen musstest.
Du musst nicht erst
zu einer besseren Version
von dir werden,
um ein Recht darauf zu haben,
hier zu sein.
Du bist nicht ein Fremdkörper
in dieser Welt.
Du bist aus derselben Materie
wie alles,
was dich umgibt.
Aus Erde.
Aus Wasser.
Aus Licht.
Aus Sternenstaub
und Erinnerung
Und vielleicht gibt es
keinen Ort,
an dem du wirklich
nicht hingehörst
Vielleicht gibt es nur Orte,
an denen du noch nicht gelernt hast,
dich selbst mitzunehmen.
Aber du bist trotzdem dort.
Und wenn du irgendwann
wieder vor einem Spiegel stehst
und dich fragst,
warum du dich so fremd
in deinem eigenen Leben fühlst,
dann schau genauer hin.
Sieh die Landschaften
in deinen Händen.
Das Meer hinter deinen Augen.
Den Himmel in deiner Seele.
Die Blitze auf deiner Haut.
Die kleinen Sterne
auf deinem Gesicht.
Und vielleicht erkennst du dann,
dass du nie darum kämpfen musstest,
Teil dieser Welt zu sein.
Du warst es längst.
Du bist es immer gewesen.
Und solange irgendwo
die Sonne aufgeht,
solange das Meer
seine Wellen gegen das Land schickt,
solange Erde unter deinen Füßen liegt
und Sterne über deinem Kopf brennen,
gibt es keinen Beweis dafür,
dass du fehl am Platz bist.
Vielleicht bist du selbst
einer dieser Beweise.
Ein kleines atmentes Stück Universum,
das für einen kurzen Moment
bewusst geworden ist.
Nicht getrennt.
Nicht falsch.
Nicht zufällig vergessen.
Sondern hier.
Genau hier.
Und das war immer genug.
Kommentare
Noch keine Kommentare — schreibe den ersten!