23. August 2026
Wenn ich hinausblicke
auf diese Welt,
sehe ich zuerst all die Stellen
an denen sie zerbrochen ist.
Der Tod ist keine Ausnahme.
Der Schmerz ist nicht selten.
Hass versteckt sich nicht einmal mehr
besonders gut.
Überall gibt es Dinge,
die schwer anzusehen sind
Menschen verlieren Menschen.
Menschen verlieren sich selbst.
Manche Wunden sieht man sofort,
andere tragen ihre Besitzer
jahrelang unter der Haut.
Und manchmal frage ich mich
wie man in einer Welt wie dieser
nicht irgendwann abstumpft.
Wie man morgens aufstehen kann,
die Nachrichten sehen kann,
die Geschichten hören kann,
all dieses Leid aufnehmen kann
und trotzdem noch glauben kann,
dass einem das alles
nicht irgendwann egal werden muss.
Nachts schaue ich deshalb manchmal
in den Himmel
und weiß nicht einmal,
an wen ich mich eigentlich wende.
An Gott vielleicht.
An das Universum.
An irgendetwas
das größer ist als ich.
An irgendjemanden,
der vielleicht zuhört.
Und ich sage
Bitte lass mich nicht gleichgültig werden.
Bitte mach mich nicht so müde,
dass ich irgendwann
nichts mehr fühlen kann.
Nimm diese Verzweiflung
und gib mir etwas anderes.
Nicht unbedingt eine Antwort.
Nicht einmal Gewissheit.
Nur etwas,
das schwer genug ist
um mich wieder aufzurichten.
Und manchmal
kommt tatsächlich eine Antwort.
Keine Stimme aus den Wolken.
Kein Wunder.
Kein Licht,
das plötzlich alles erklärt.
Manchmal ist es nur
ein Gedanke.
Ein Satz,
der irgendwo in mir auftaucht.
Und vielleicht
bin ich selbst diejenige,
die ihn sagt.
Vielleicht muss ich gar nicht wissen
woher diese Stimme kommt.
Es reicht,
dass sie da ist.
Sie sagt mir
Du musst nicht beweisen,
dass du ein guter Mensch bist,
indem du an allem zerbrichst.
Du musst nicht
jeden Schmerz der Welt
in deinem eigenen Körper tragen,
um zu beweisen,
dass er dir nicht egal ist.
Du musst nicht leiden,
um mitfühlend zu sein
Es gibt keine Heiligkeit darin,
dich selbst zu zerstören,
nur damit niemand
deine Anteilnahme anzweifeln kann.
Du bist nicht verpflichtet,
so tief in die Dunkelheit zu steigen,
nur weil andere Menschen
dort unten leben.
Du darfst ihnen helfen,
ohne dich selbst
mit hinunterzuziehen.
Du darfst traurig sein.
Du darfst wütend sein.
Du darfst die Welt ansehen
und sagen
Das hätte niemals passieren dürfen.
Du darfst weinen,
weil Menschen leiden.
Du darfst nachts
nicht verstehen
wie jemand so grausam
zu einem anderen Menschen
sein kann.
Aber du musst nicht
zu deiner Trauer werden.
Du bist mehr
als das, was dich verletzt.
Und ich weiß,
Verzweiflung ist leichter.
Es ist so einfach,
die Hände sinken zu lassen
und zu sagen
Es bringt sowieso nichts.
Was kann ich schon ändern?
Die Welt war immer so.
Sie wird immer so bleiben
Warum sollte ich mich noch bemühen?
Hoffnung ist viel anstrengender.
Denn Hoffnung bedeutet,
dass du noch etwas erwartest.
Dass du dich noch
verletzlich machst.
Dass du wieder aufstehst,
obwohl du weißt,
dass du fallen kannst
Hoffnung bedeutet,
dass dir etwas wichtig ist.
Und wenn dir etwas wichtig ist,
kann es wehtun.
Deshalb braucht Hoffnung
mehr Mut als Gleichgültigkeit.
Gleichgültigkeit sagt
Es ist mir egal.
Hoffnung sagt
Es ist mir nicht egal,
obwohl ich nicht weiß,
ob ich etwas verändern kann
Und vielleicht ist genau das
der mutigste Satz,
den wir uns erlauben können.
Nicht,,
Alles wird gut.
Denn vielleicht wird nicht alles gut.
Vielleicht wird manches
für immer schrecklich bleiben.
Vielleicht werden wir Dinge verlieren,
die wir nie zurückbekommen.
Vielleicht wird es immer
Ungerechtigkeit geben.
Immer Schmerz
Immer Menschen,
die anderen Menschen weh tun.
Aber daraus folgt nicht
dass wir selbst
nichts mehr tun können.
Vielleicht müssen wir
nicht die ganze Dunkelheit besiegen.
Vielleicht reicht es
ein kleines Licht anzuzünden.
Nicht überall.
Nicht auf einmal.
Nur irgendwo.
Beginne klein.
Beginne dort,
wo du gerade stehst.
Zünde ein Streichholz an
in einem Raum,
in dem bisher nur Angst war.
Sag etwas
wenn Schweigen leichter wäre.
Bleib bei jemandem,
der glaubt
dass niemand bleibt.
Sei freundlich,
wenn Zynismus einfacher wäre.
Hilf einer Person.
Schütze ein Tier.
Schreib eine Nachricht.
Hör jemandem zu.
Mach irgendetwas Kleines,
das der Welt sagt
Ich habe dich gesehen.
Und ich werde nicht so tun,
als wäre mir ales egal.
Denn Feuer beginnt nicht
als Feuer.
Es beginnt als Funke.
Als winzige Flamme
die fast lächerlich aussieht
gegen die Größe der Dunkelheit.
Aber Feuer hat diese Eigenschaft
Es breitet sich aus.
Ein Licht kann ein anderes anzünden
ohne selbst weniger zu werden.
Eine kleine Handlung
kann eine andere nach sich ziehen.
Ein Mensch kann einen anderen daran erinnern,
dass er noch Mensch ist.
Und vielleicht reicht das
für heute
Vielleicht muss ich heute
nicht die Welt retten.
Vielleicht muss ich nur
einen Schritt machen.
Dann noch einen
Nicht weil ich weiß
wo der Weg endet.
Sondern weil Stillstehen
mich nicht aus der Dunkelheit bringt.
Also setze ich einen Fuß nach vorn.
Dann den nächsten.
Und vielleicht brennt hinter mir
nicht die Welt
Vielleicht brennt nur
ein kleiner Streifen Boden.
Ein Weg.
Eine Spur.
Ein Zeichen dafür,
dass ich hier gewesen bin
und mich geweigert habe,
mich vollständig
von der Dunkelheit verschlucken zu lassen.
Vieleicht ist Hoffnung
nicht das Gegenteil von Schmerz.
Vielleicht ist Hoffnung
die Entscheidung,
trotz des Schmerzes
nicht aufzuhören,
etwas anderes möglich zu machen.
Also werde ich anfangen.
Klein
Irgendwo.
Mit einem einzigen Funken.
Und wenn dieser Funke
noch nicht reicht,
werde ich den nächsten anzünden.
Und den nächsten.
Und den nächsten.
Bis ich irgendwann zurückblicke
und seh
dass dort,
wo ich früher nur Dunkelheit gesehen habe,
eine Spur aus Feuer brennt.
Nicht weil die Welt plötzlich
heil geworden ist
Sondern weil ich beschlossen habe,
dass ihre Zerbrochenheit
nicht das Letzte sein muss
was ich in ihr sehe.
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