mein ganzes leben lang
hatte ich das gefühl,
gleichzeitig zu viel
und nicht genug zu sein.
für die einen
war ich zu laut.
zu emotional.
zu kompliziert.
ich fühlte zu tief,
fragte zu viel,
liebte zu intensiv.
und für die anderen
fehlte immer etwas.
nicht hübsch genug.
nicht ruhig genug.
nicht leicht genug.
als würde ich ständig
an einer unsichtbaren grenze stehen,
auf keiner seite richtig.
also verbrachte ich jahre damit,
mich kleiner zu machen.
meine gedanken zu kürzen.
meine gefühle zu falten.
meine bedürfnisse zu verstecken.
in der hoffnung,
irgendwann genau richtig zu werden.
aber das seltsame ist,
dass manche menschen
selbst dann nicht bleiben,
wenn du dich für sie verbiegst.
weil das problem nie war,
dass du zu viel bist.
und nie,
dass du nicht genug bist.
das problem ist,
dass nicht jeder mensch
nach derselben sache sucht.
ich bin wie ein meer.
weit.
unruhig.
voller tiefe.
voller dinge,
die man nicht auf den ersten blick erkennt.
und es gibt menschen,
die am ufer stehen
und sich darüber beschweren,
dass sie ihren durst
nicht aus mir stillen können.
als wäre das meine schuld.
als wäre ich falsch,
weil ich nicht das bin,
wonach sie gesucht haben.
aber ein ozean
muss kein trinkglas werden,
um wertvoll zu sein.
er muss sich nicht entschuldigen
für seine tiefe.
nicht entschuldigen
für seine wellen.
nicht entschuldigen
für seine größe.
und vielleicht
besteht die schwierigste lektion darin,
zu akzeptieren,
dass manche menschen
dich immer für zu viel halten werden,
weil sie nur nach etwas kleinem gesucht haben.
und andere werden dich
für nicht genug halten,
weil sie etwas völlig anderes wollten.
aber das bedeutet nicht,
dass mit dir etwas nicht stimmt.
es bedeutet nur,
dass nicht jeder mensch,
der durst hat,
für das meer bestimmt ist.
„Zu viel" ist ein Gedicht aus der Kategorie Trauer/Kummer/Schmerz von Orion, veröffentlicht am 23. August 2026 auf Gedichtesammlung.net.
© Orion
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