Wenn Verse golden fallen
ZWISCHEN STILLE UND WIDERHALL
Zur späten Stunde
hielt die Stille abermals
Einzug in mein Gemach.
Weder ersuchte sie
um Einlass,
noch kündigte sie
ihr Erscheinen an.
Es dünkt mich,
sie wähnt sich längst
als Herrin
dieser Behausung.
Mit unbewegtem Antlitz
nahm sie mir gegenüber Platz
und verharrte wortlos,
als sei das Schweigen
eine hohe Kunst,
deren sie allein
vollends mächtig sei.
Der schicklichen
Gastlichkeit halber
ließ ich zwei Tassen
auftragen.
Obschon die zweite
unberührt verblieb,
schien ihre Anwesenheit
von nicht geringer
Bedeutung.
Alsdann entsandte ich
wohlgesetzte Worte
hinaus in die Ferne.
Sie fanden
weder Einlass
noch Gehör
und kehrten alsbald
als Widerhall
zu mir zurück.
Der Widerhall
erwies sich hierbei
von bemerkenswerter
Verlässlichkeit.
Mein Herz
harrt derweil
vor einem
verschlossenen Tore.
Längst hat es
sein Begehren
um Einlass eingestellt.
Nicht etwa
aus Mangel
an Sehnsucht.
Selbst ein sehnendes Herz,
so scheint es,
ist wohl gehalten,
die Nachtruhe
zu achten.
Und so neigt sich
die Stunde
ihrem Ende zu:
die Stille
zu meiner Rechten,
der Widerhall
zu meiner Linken,
mein Herz
vor der Tür
und meine Wenigkeit
inmitten all dessen.
Wahrlich.
Selten ward mir
in meiner Einsamkeit
derart viel Gesellschaft
beschieden.
„ZWISCHEN STILLE UND WIDERHALL" ist ein Gedicht aus der Kategorie Gedichte Träume & Gedanken von Klara, veröffentlicht am 15. Oktober 2026 auf Gedichtesammlung.net.
© Klara
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