neulich
habe ich mich dabei erwischt,
wie ich wieder gedankenlos
den rand einer seite füllte.
früher hätten dort
dein name gestanden.
immer und immer wieder.
in unterschiedlichen handschriften.
mit pfeilen.
mit herzen.
mit all den kleinen beweisen dafür,
wie viel platz du
in meinem kopf eingenommen hast.
aber diesmal warst du nicht da.
nicht einmal als schatten.
stattdessen entstanden dinge,
die nichts von dir wollten.
kleine wolken.
krumme blumen.
sternbilder,
die nicht ganz symmetrisch wurden.
die art von zeichnungen,
die ich gemacht habe,
lange bevor ich wusste,
wie sich herzschmerz anfühlt.
lange bevor ich lernte,
einen anderen menschen
zum mittelpunkt meiner gedanken zu machen.
und während meine hand
über das papier wanderte,
ist mir etwas aufgefallen.
ich habe nicht versucht,
dich festzuhalten.
ich habe nicht versucht,
eine erinnerung zu retten.
ich habe nicht versucht,
eine geschichte umzuschreiben.
ich war einfach da.
für ein paar minuten
gehörten meine gedanken
wieder nur mir.
und vielleicht klingt das
nach nichts besonderem.
ein paar kritzeleien
am rand eines notizbuchs.
aber für mich fühlte es sich an
wie das wiederfinden eines schlüssels,
von dem ich vergessen hatte,
dass er mir gehört.
denn irgendwo zwischen
schiefen sternen,
unfertigen blumen
und den kleinen dingen,
die keine bedeutung haben mussten,
bin ich jemandem begegnet.
nicht dir.
mir.
und zum ersten mal seit langer zeit
hat sich das angefühlt
wie genug.
„kritzeleien" ist ein Gedicht aus der Kategorie Sonstige Gedichte von Orion, veröffentlicht am 23. August 2026 auf Gedichtesammlung.net.
© Orion
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