Wo Verse und Tore fallen

USA · Kanada · Mexiko · Juni–Juli 2026

25. April 2026

Das Elfenbeinhaus

Ein Aufstieg, kühl wie polierter Marmor,
kein Atem der Fabel, kein Herzschlag aus Traum.
Ein gläserner Fahrstuhl zieht lautlos hinauf,
ein Schuss durch die Etagen der Stille,
während Seile aus Schuld in der Tiefe beben
und tragen, was keiner mehr sehen will: Leben.

Dort oben erheben sich Türme aus Glas,
Säle, gedehnt wie vergessene Zeit.
Masken lächeln – glatt, geschliffen, leer –,
ihr Glanz: nur Hülle für innere Kargheit.
Und Stimmen klingen wie Münzen im Schacht,
die fallen und fallen in bodenlose Nacht.

Die Pforte verlangt kein Blut und kein Schwert,
nur Opfer, die leise die Seele entleeren:
Münzen aus Menschlichkeit, kalt geprägt,
und Schlüssel, aus eigenem Wesen gesägt.
Wer eintritt, bezahlt ohne Aufschrei, ohne Blick –
und lässt Stück für Stück sein Innerstes zurück.

So bleibt dieser Weg ein flackerndes Licht,
ein Irrpfad im goldenen Schein der Verheißung.
Wer ankommt, der steht am Gipfel der Leere,
im Glanz, der nicht wärmt und keinen hält.
Und hört, wenn die Stille die Höhe durchzieht,
das letzte, verlorene Lied.

© Max Vödisch

47 Aufrufe
Max Vödisch Sonstige Gedichte 0 Kommentare ~1 Min. Lesezeit
Teilen: Facebook X WhatsApp

Ähnliche Gedichte

ÄHNLICHE GEDICHTE

Kommentare

Noch keine Kommentare — schreibe den ersten!

Bitte melde dich an um zu kommentieren.

Anmelden
Login
Neue Abzeichen
Neue Autoren
Gedicht des Tages

Ach ja, dieses “Würde, Könnte, Hätte“,was man so alles gerne - tun täte,zum Beispiel w&a…

Gedicht lesen
Aktiv in · Sonstige Gedichte
Meist gelesen · Sonstige Gedichte
Kurze Umfrage

Hilf uns Gedichtesammlung.net weiterzuentwickeln — wir freuen uns über deine Meinung!

Zur Umfrage
Beliebt diesen Monat
Neue Autoren
Zufallsgedichte
Schlagworte