Kurzgeschichten



Der Tausch



Der Tausch

 

„Für wen mach ich das hier eigentlich ? „ seufzte Jennifer und warf ihren Bleistift auf den

Notizblock . Sie saß in ihrem Zimmer am Schreibtisch und hatte gerade ein Gedicht fertig

geschrieben – eins von vielen wofür sich zuhause kein Schwein interessierte .

 

Papa nicht , Mama nicht und ihre beiden älteren Brüder schon gar nicht .

Sie alle konnten mit Fantasie nicht viel anfangen und waren anscheinend viel zu

„geerdet „

„ Nicht dass du noch den Bezug zur Realität verlierst „ hatte ihr Vater gesagt .

„Dafür sorgt ihr schon „ hatte Jenny darauf geantwortet und war in ihr Zimmer

verschwunden . Kann man denn nicht wenigstens mal für ein , zwei Stunden in die Welt

der Fantasie eintauchen um den Alltag mal für eine Weile zu vergessen ?

Was ist daran verkehrt ? Gar nichts !

 

Jenny dachte gerade an ihren Opa , den einzigen Poeten in der Familie . Er starb als sie

vier Jahre alt war, das war vor acht Jahren .

Als er starb waren auch seine Gedichte verschwunden und kein Mensch wußte wo sie

geblieben waren. Schien auch niemanden zu kümmern .

Jenny hätte zu gerne Gedichte von ihrem Opa gelesen und er hätte sich mit Sicherheit für ihre

interessiert . Auch ihre Oma zeigte kein Interesse an ihren Gedichten .

Die war eh kaum zuhause und reiste viel in der Welt herum .

 

 

Wie gerne hätte sie von ihrer Familie mal gehört , welches Gedicht schön und welches weniger schön war – aber nichts - null Reaktion und Interesse !

Sie war sehr traurig darüber .

Ob es Opa genauso ging ? dachte sie . Damals war sie noch zu klein und konnte noch keine Gedichte

lesen und jetzt waren sie nicht mehr da – Mist blöder !

 

Jennifer beschloss noch einmal nach draußen zu gehen um frische Luft zu schnappen .

Es war September und zu kühl geworden um abends draußen zu sitzen . Es war Vollmond .

Die Eltern saßen vor der Glotze und ihre beiden großen Brüder , 14 und 16 ,bei Freunden .

 

 

Jennifer schlenderte, mit ihrer Gedichtemappe unter dem Arm geradewegs zu Opas Gartenlaube.

Hier hatte Opa oft gesessen und geschrieben .

Jennifer setzte sich in einen der Korbstühle die in der Laube standen und ließ ihre Gedanken kreisen .

Plötzlich war ihr, als spüre sie einen eiskalten Luftzug, als wenn jemand in einer warmen Stube

ein Fenster öffnete . Wind kam auf und es wurde neblig – so plötzlich , dass es Jenny richtig unheimlich wurde .

Auf einmal sah sie eine Wolke die sich immer tiefer herabsenkte . Immer tiefer und schließlich

auf dem Rasen im Garten landete und auf der Wolke saß ihr Opa – ganz weiß von Gestalt und durchsichtig und hatte ein langes weißes Hemd an .

Das konnte doch nicht sein ! Dachte Jenny und rieb sich die Augen . Träumte sie ?

 

„Hallo Jenny „ sagte ihr Opa . „ Groß bist du geworden . Du möchtest also meine Gedichte

lesen ? Das freut mich sehr . Als ich noch lebte , da ging es mir genau wie dir . Ich habe aber niemals den Spaß am dichten nehmen lassen und hab gedacht ihr könnt mich alle mal . „

Jenny starrte immer noch ungläubig ihren Opa an . „ Bist du´ s wirklich ? „

„Aber ja „ sagte Opa . „ Ich hab was für dich , komm zu mir „ Er überreichte ihr eine

dicke Mappe . Seine Hände waren eiskalt , aber das war Jenny egal . Sie ahnte was sich in der Mappe befand und so war es auch – Opas Gedichte !

„ Ich werd verrückt ! „ rief sie erfreut . „ Das ist ja , das ist ja - aber woher weißt du ? „

 

„Ich kriege da oben alles mit was hier unten so abgeht und jetzt möchte ich gerne deine Gedichte lesen . Ich tausche deine gegen meine „ Glücklich überreichte sie ihrem Opa ihre Mappe .

„ In der nächsten Vollmondnacht komme ich wieder und sage dir wie mir deine Gedichte gefallen haben und du sagst mir wie dir meine gefallen haben „ Er schlug eine Seite in Jennys Mappe auf .

„ Wenn die so lustig sind wie das hier – höhööö- hihi – dann geht im Himmel die Post ab und die Engel da oben haben was zu kichern „ „ Denke schon das ihr Spaß haben werdet da oben „ lachte Jenny.

„ Ich bin schon so gespannt auf deine Gedichte . Ich werde früh zu Bett gehen und werde sie lesen.

Ich freu mich schon so drauf „

„ Na dann bis in vier Wochen „ sagte Opa . „ Ich muss jetzt schnell wieder hoch , sonst ist das

Himmelstor zu , Petrus nimm das sehr genau und lässt nach neun Uhr niemanden mehr rein .

Also bis dann „ die Wolke erhob sich in die Luft und die beiden winkten sich zu ,

bis die Wolke ganz am Himmel verschwand .

Nun war Jennifer so richtig glücklich und zufrieden und konnte nicht schnell genug ins Bett

kommen , um in Ruhe Opas Gedichte zu lesen .

Ein wenig später hörte sie von ganz oben aus einer Wolke ein Kichern . Jenny schmunzelte .

Anscheinend hatte sich ihr Opa über ihre Gedichte köstlich amüsiert .

 

 

© Heike Diehl

 

* Jetzt wo ich weiß , dass man hier auch Geschichten einstellen kann ,

dachte ich mir ich probiers mal .

Über eine Rubrik mit Geschichten würde ich mich freuen .

 

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AUTOR:

Bin Single , tierlieb, naturverbunden , schreibe , lese, male , fotografiere , wühl im Garten rum und Fülle im Supermarkt Regale auf .
Ich bin häuslich, ehrlich, etwas naiv am liebsten zuhause und gern alleine ,
aber auch launisch, wechselhaft , sprunghaft und werde manchmal zum Knallfrosch .Sonst bin ich ein normaler Mensch mit vielen Macken .
Wenn ihr Lust habt schaut doch mal in meine Homepage rein . Würde mich freuen.


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4 KOMMENTARE



09. Juli 2018 @ 19:49

Gut probiert.
Wie der Opa auf/mit der Wolke landet, das fand ich ne wirklich prima Idee. Verspielt und zum
Wiehern zugleich.
Hab eigentlich auch nix zu meckern, Heike. Man merkt, daß Du die Geschichte nicht mal
eben so auf die Schnelle hingeballert hast, sondern genau auf Worte und Sätze geachtet
hast. Und daß Du auch mal was Anderes hinkriegen wolltest. Die Rubrik ist auch goldrichtig -
wobei Kindergedichte (Geschichten) nie kinderleicht zu schreiben sind, wie manche Schlaumeier meinen.
Kurzum: Versuch geglückt, Affe nicht tot - und Opi auch nicht ganz)))
Ab dafür.

Ahoi Ralph


09. Juli 2018 @ 22:41

Der Opa ist weiß und ich knallrot von deinem Lob - Danke.!!! Die Geschichte hat mir unheimlich Spaß gemacht .
Ich hab dabei an meinen Opa gedacht , den einzigen Poeten in unserer Familie und hab mir vorgestellt ,
dass er auf ner Wolke im Garten landet . Als mein Opa starb , waren auch seine Gedichte weg und ich hab leider
nie eins von ihm lesen können - schade !
Manche haben mir auch vorgeschlagen mal ein Kinderbuch zu schreiben - mach ich aber nicht . Hab keinen Bock mich mit irgendwelchen Verlagsfuzzis rum zu ärgern . Da setz ich lieber ab und zu hier was ein oder bleib auf meiner HP . Das genügt mir vollkommen .
Ihhh - hab gerade ne Fliege zermatscht am PC . Die ließ mich nicht in Ruhe . Das hattse jetzt davon !
Nochmal danke für dein Lob . Das bedeutet mir sehr viel und baut unheimlich auf .
Bis bald mal wieder denn man tau Heike



12. Juli 2018 @ 13:45

Hallo, liebe Heike, es hat mir großen Spaß gemacht, Deine Geschichte zu lesen. Du hast damit wieder Deine blühende Phantasie bewiesen. Du hast wirklich ein großes Talent, Dir Geschichten auszudenken. Weiter so! Liebe Grüße Hanni


12. Juli 2018 @ 20:22

Hallo Hanni

Das zuhause an meinem Geschreibsel keiner Interesse zeigt entspricht der Wahrheit und dass mein Opa der einzige Poet war und seine Gedichte verschwunden waren stimmt auch . Sonst ist alles reine Phantasie .
Ich werde mich mehr und mehr auf Kurzgeschichten verlegen . Mal sehen was mir sonst noch so einfällt .
macht unheimlich Spaß !
Danke für s lesen und dein Interesse LG Heike


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