20. Mai 2023

Lothar reist

Lothar reist

Lothar reist


Ihm wird´s zu eng. Das Heimweh: groß.
Schlafsack. Zelt. Ein bisschen Geld.
So zieht er eines Morgens los -
wird kurz noch an der Tür gestellt.

Die Klara hat Klappstull´n gerichtet.
Sie streicht ihm sanft den leeren Bauch -
steht da, im Nachthemd, und sie dichtet:
> Mein Brot sei immer deines auch. <

Das klang noch nach in Lothars´ Ohren,
als er längst aus dem Hause war.
Auch, daß er hatte ihr geschworen,
wiederzukommen. > Geht schon klar. <

Ganz sicher war er sich da nicht,
als er später am Highway stand,
mit Sack und Grinsen im Gesicht
und großem Pappschild in der Hand.

Bis Buxtehude fährt heut keiner.
Okay - dann ab, ins Ruhrgebiet.
Ein netter Opa Namens Reiner
nimmt ihn erstmal bis Bochum mit.

Nur leider sieht der Alte schlecht
und brettert hundersechzig Sachen.
Fast fliegen ist dem Lothar recht.
Man muß ja auch mal herzhaft lachen...

Das vergeht ihm...Reiner setzt
den Opel quietschend in die Planken.
Den Wackeldackel hat´s zerfetzt.
Er grinst. > Passiert... Weiter, zum Tanken. <

Lothar macht sich nach dem Stop,
dann doch lieber vom Acker.
Ein Brummifahrer nimmt ihn hopp(s).
Leicht duhn, der Riesentruckermacker.

Bis Hannover hält er Spur.
Dann pennt er eine Runde.
Lothar zieht weiter auf der Tour.
Bis Stade noch ´ne gute Stunde...

Dahin fährt ihn ein junges Ding
in blitzeweissem Cabrio.
Ist nicht so seins - doch Lothar singt,
mit ihr auch laut Fats Domino.

                     *

Endlich ins alte Land gekommen.
Fand er gleich seinen Apfelbaum.
Darunter - glücklich und benommen,
kam ihm schon mancher süßer Traum.

Am Abendhimmel stand der Mond.
Der schaut ins Einmann-Zelt
und ahnt wohl schon: da drinnen wohnt,
nun einer für kein bisschen Geld,
in seiner kleinen Wunderwelt.

Worte: (c) Ralph Bruse

Grafik: open cliparts

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© Ralph Bruse

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Ralph Bruse


Auch der tiefste und dunkelste Wald
führt irgendwann zur Lichtung.

© Ralph Bruse

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7 Kommentare

Christine Biermann
16.05.2026
Hallo, Lothar,
nun reisen wir zu zweit. So schön kann das Leben sein.
Nächste Woche fahren wir in die Harburger Berge.... und Buxtehude liegt auf der Strecke.
Na denn man hinne..
mit deiner Klara.

Ralph Bruse
Antwort an Christine Biermann
Ralph Bruse Autor
17.05.2026
..reicht das Einmann-Zelt ja nich mehr, wenn wir da beide reinwollen, auf der Reise nach überallhin.
Danke.
Na denn man to.
Dein Loddar.
Ralph Bruse
Ralph Bruse Autor Meisterdichter
22.05.2023
danke für das stille Anerkennen, Gudrun.
Grüße von Ralph
Heike Diehl
Heike Diehl Dichter
21.05.2023
Courage hat er ja, der Lothar. So ganz allein und ohne Moneten in die Ferne zu schweifen.
Würd ich mich nie trauen. Ich bau mein Zelt lieber im Garten auf.
Schönen, gemütlichen Sonntag wünscht dir Heike
Ralph Bruse
Antwort an Heike Diehl
Ralph Bruse Autor
21.05.2023
Von Lothar hätte ich auch gern einiges mehr, Heike)))
Aber die Gedanken sind ja zum Glück vogelfrei.
Auch Dir einen guten Sonntag. Und: danke.
Es grüßt Dich Ralph
Ralph Bruse
Ralph Bruse Autor Meisterdichter
20.05.2023
...und das ohne einen Cent in der Buchse, Ingrid.
(der Lothar kommt ja immer mal wieder aus dem Köcher, wenn der Ralph Unsinn im Kopf hat)))

Danke. Heitere Abendgrüße fliegen auch zu Dir
von Ralph
Ingrid Bezold
Ingrid Bezold Poet Laureat
20.05.2023
Schön, dein Lothar im Reisefieber..
Die Klara wird sich wohl auch ihr kleines Glück gesucht haben - irgendwo. Nicht im Zelt. Wer weiß das schon)))

Heitere Abendgrüße zu dir
von Ingrid

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