Wenn Verse golden fallen

2. Oktober 2026

Stille Nächte

Stille Nächte

Der sichelnde Mond strahlt schwach.
Dünn gewebte Gardinen
filtern das blasse Leuchten.
Das Notlicht brennt,
dazu zwei kleine rote Lichter.
Das eine von ihrem Handy, lang nicht verwendet-
kein Anruf, nicht von den Kindern, nicht von irgendwem.

Und nachts, wenn es leise ist, wenn Stille beinah weh tut,
dann kreisen die Gedanken.
Es ist leise, ihre Bettnachbarin atmet kaum hörbar.
Lebt sie noch ?
Es ist eine der stillen Nächte,
die Wartende beinah hören können !
Stille im  Zimmer Nr. 8.
Hektische Betriebsamkeit am anderen Ende des Ganges,
wo Onkologen das Mögliche versuchen.


Die Schmerzen werden stärker.
Zur Lautlosigkeit gesellt sich schweres Atmen.
Schon lang geht das so – dazwischen wirkt das Morphium
und wieder stundenweise Stille …….noch -
vielleicht bald Totenstille?

Gerd Schönhuber

„Stille Nächte" ist ein Gedicht aus der Kategorie Trauer/Kummer/Schmerz von Gerd16, veröffentlicht am 2. Oktober 2026 auf Gedichtesammlung.net.

© Gerd16

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Gerd16 Trauer/Kummer/Schmerz 6 Kommentare ~1 Min. Lesezeit
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Gerd16

St.Georgen an der Gusen, Österreich

Schreibe Nachtgedanken aber auch solche des Tages, manchmal in Chiffren, doch meistens recht klar,
schreibe gereimt und in Prosa, sehr oft in der Mundart meiner Region (Oberösterreich). Ich lerne ger…

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6 Kommentare

Klara
Klara Lyriker
08.10.2026
Lieber Gerd,

nachdem ich nun gelesen habe, welcher wirkliche Hintergrund hinter diesen Zeilen steht, berührt mich dein Gedicht noch einmal auf eine andere Weise.

Gerade weil du nichts beschönigst und so vieles nur beobachtest, wird diese Stille beim Lesen beinahe körperlich spürbar. Das unbenutzte Handy, das kaum hörbare Atmen, die Betriebsamkeit der Ärzte am anderen Ende des Ganges… all diese kleinen Bilder machen die Hilflosigkeit dieses Wartens sehr deutlich.

Und vielleicht versteht man nun auch ein wenig besser, warum zwischen deinen ernsteren Texten immer wieder so viel Humor seinen Platz findet.

Ein schweres und sehr eindringliches Gedicht, das lange nachhallt.

Liebe Grüße
Klara
Gerd16
Antwort an Klara
Gerd16 Autor
08.10.2026
Danke,liebe Klara! Danke für deine mitfühlenden Zeilen. Wenn es mir ein bisschen gelungen ist, zu berühren, dann habe ich sehr viel erreicht!
Gudrun Nagel-Wiemer
Gudrun Nagel-Wiemer Dichterlegende
02.10.2026
Hallo Gerd, hoffentlich kein Thema aus deinem Alltag. Nicht einfach darüber zu schreiben, aber vielleicht hilft es dir ja. Gruß, Gudrun
Gerd16
Antwort an Gudrun Nagel-Wiemer
Gerd16 Autor
02.10.2026
Danke für deine Mail. Mein Sohn hat als Turnusarzt den traurigen Abschied eines jungen Paares erlebt. Für sie war es der letzte!
G .  .  .  .
G . . . . Poet Laureat
02.10.2026
... eine schöne lyrische Sprache. Auch wenn die Thematik traurig, es ist ein Aspekt unseres Lebens und soll und darf nicht ausgeblendet werden.
G.
Gerd16
Antwort an G . . . .
Gerd16 Autor
02.10.2026
Danke für deine freundliche Rückmeldung.
Du hast recht mit dem Aspekt des Lebens.
Ich schreibe deshalb öfter heitere Texte.
Liebe Grüße
Gerd

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