Wenn Verse golden fallen
Stille Nächte
Der sichelnde Mond strahlt schwach.
Dünn gewebte Gardinen
filtern das blasse Leuchten.
Das Notlicht brennt,
dazu zwei kleine rote Lichter.
Das eine von ihrem Handy, lang nicht verwendet-
kein Anruf, nicht von den Kindern, nicht von irgendwem.
Und nachts, wenn es leise ist, wenn Stille beinah weh tut,
dann kreisen die Gedanken.
Es ist leise, ihre Bettnachbarin atmet kaum hörbar.
Lebt sie noch ?
Es ist eine der stillen Nächte,
die Wartende beinah hören können !
Stille im Zimmer Nr. 8.
Hektische Betriebsamkeit am anderen Ende des Ganges,
wo Onkologen das Mögliche versuchen.
Die Schmerzen werden stärker.
Zur Lautlosigkeit gesellt sich schweres Atmen.
Schon lang geht das so – dazwischen wirkt das Morphium
und wieder stundenweise Stille …….noch -
vielleicht bald Totenstille?
Gerd Schönhuber
„Stille Nächte" ist ein Gedicht aus der Kategorie Trauer/Kummer/Schmerz von Gerd16, veröffentlicht am 2. Oktober 2026 auf Gedichtesammlung.net.
© Gerd16
Veröffentliche deine eigenen Werke kostenlos und teile sie mit einer Gemeinschaft, die Poesie liebt — in nur wenigen Minuten.
Jetzt kostenlos veröffentlichen →Bitte melde dich an um zu kommentieren.
Anmelden
6 Kommentare
nachdem ich nun gelesen habe, welcher wirkliche Hintergrund hinter diesen Zeilen steht, berührt mich dein Gedicht noch einmal auf eine andere Weise.
Gerade weil du nichts beschönigst und so vieles nur beobachtest, wird diese Stille beim Lesen beinahe körperlich spürbar. Das unbenutzte Handy, das kaum hörbare Atmen, die Betriebsamkeit der Ärzte am anderen Ende des Ganges… all diese kleinen Bilder machen die Hilflosigkeit dieses Wartens sehr deutlich.
Und vielleicht versteht man nun auch ein wenig besser, warum zwischen deinen ernsteren Texten immer wieder so viel Humor seinen Platz findet.
Ein schweres und sehr eindringliches Gedicht, das lange nachhallt.
Liebe Grüße
Klara
G.
Du hast recht mit dem Aspekt des Lebens.
Ich schreibe deshalb öfter heitere Texte.
Liebe Grüße
Gerd