Der Mann spürt die Kälte der alten Mauern
in sich hinein kriechen.
Zitternd an Leib und Seele
schlürft er schwerfällig zum hohen Fenster.
Sehnsuchtsvoll blickt er hinaus …
will die Welt sehen.
Die Welt ist fern von hier.
Vor ihm ruht der verschneite Park
unter dem farblosen Himmel.
Es ist so still.
Seine müdgewordenen Augen suchen das Weite.
Bunt dreht sich der Erdball.
Die Menschen aus vergangenen Zeiten
drehen sich im Tanze.
Ein langes Leben
zieht an ihm vorüber.
Erfolge, Freude, Ängste, Worte,
Missgeschicke, Erlebnisse, Lieben, Trennungen...
Lächelnd schneuzt er sich;
dreht sich um, legt die Gehhilfe zur Seite...
ES IST ZEIT.
*
01/ 25
Worte(c) Ingrid Bezold
Foto (c) Christoph H.
vertont siehe unten
© Ingrid Bezold
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4 Kommentare
Ein Mensch, der in der ganzen Welt zuhause war und nun sehr schön, aber in der Abgeschiedenheit lebt.
Ich wollte es nicht düster erzählen, aber - wie Ewald schon schreibt - es scheint so anzukommen.
Danke für deine Anregung, Gudrun und das Herzchen ( ich hab von dieser Autorin auch schon Bücher gelesen, die mir gefielen. Das kenne ich noch nicht).
LG Ingrid
LG
Ewald
Es geht hier um einen Menschen, der immer weltoffen war und über ein reiches Leben zurück blickt. Im hohen Alter sieht er seine Kräfte und die Perspektiven schwinden und möchte in Würde gehn.
Ich wollte keine Resignation vermitteln, sondern einen zufriedenen Abschied.
Vielleicht kommt das nicht so bei den Lesern an....
Danke für deinen Kommentar und das Herz.
LG Ingrid