Zwischen Licht und Dunkel

9. Dezember 2025

Hinter dem Vorhang

Sie nennen dich Schatten, doch sie jagen dein Licht,
sie kommen bei Nacht und sie scheuen dein Gesicht.
Sie kaufen sich Wärme, sie kaufen sich Haut,
doch schämen sich später, als wär’s nicht erlaubt.

Du gibst, was sie suchen, im Flüstern, im Schweigen,
doch wirst wie ein Gut durch die Straßen getrieben.
Wie Fleisch ohne Namen, wie Ware, wie Staub –
ein Leben, das niemand im Tageslicht braucht.

Keiner fragt nach dem Morgen, nach dem Warum,
kein Blick in dein Herz, das ist schon lange stumm.
Sie sehen nur Stunden, Verlangen und Preis,
nicht die Tränen, die Kälte, das innere Eis.

Sie nennen dich Hure, ein Wort wie ein Stein,
doch du trägst Geschichten, verborgen, allein.
Ein Feuer, das brennt, hinter dem Vorhang und Glas,
zu wahr für die Stadt, die so tugendhaft war.

Denn dort, wo Moral im Schaufenster glüht,
wo jeder verurteilt, doch jeder auch zieht,
bist du die Wahrheit, die niemand bekennt –
zu nah, zu echt, bis sie schweigend verbrennt.

„Hinter dem Vorhang" ist ein Gedicht aus der Kategorie Sonstige Gedichte von Max Vödisch, veröffentlicht am 9. Dezember 2025 auf Gedichtesammlung.net.

© Max Vödisch

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1 Kommentar

Gast
09.12.2025

Ich glaube, die besten Werke schreibt man in einer dunklen Lebensphase. Deine Texte sind ausdrucksstark verfasst.
Ein Tipp:
poste nicht so viele andere einem Tag; denn
a) man liest nicht so gerne sich ähnelnde Themen hintereinander.
b) du verdrängst - sicher unbewusst- die Mitautoren von der Seite.
Noch eine Ergänzung zu meinem anderen Kommi: Deine Werke könnte ich mir gut vertont vorstellen.
Es grüßt dich Ingrid

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