Zwischen Licht und Dunkel

8. September 2026

Unheil am Meer

Unheil am Meer
Eigenes Foto von einer Schautafel vor Ort

Kommst du mal hin nach Lohme,

an Rügens Waterkant,

triffst du auf einen Findling;

der „Schwanenstein“ genannt.

 

Der Fels, seit ew’gen Zeiten,

dient diesem Strand als Zier.

Unweit der Kreideböschung

liegt er noch heute hier.

 

Er kündet von viel Schmerzen,

die jener Ort gebar.

Von tragischer Geschichte

Vor mehr als fünfzig Jahr.

 

Die See ist sanft und eben

und schon ein  wenig weiß.

Die Wogen sind geglättet

von einer Schicht aus Eis.

 

Da ziehen just am Morgen

vom nahen Orte her

mit Tatendrang geboren

fünf Burschen an das Meer.

 

Sie singen und sie lärmen

mit Stock und Stein gar viel.

Erfreuen sich des Winters

mit jugendlichem Spiel.

 

Schnell ist das Eis betreten.

Es hält die kleine Schar.

Manch Mahnung sie verwegen

vergessen ganz und gar.

 

Da schlägt das Wetter plötzlich

und ohne Warnung um.

Das Eis, es bricht nicht wenig.

Der Kinder Schrei bleibt stumm.

 

Nur zwei der fünf gelingt es

zu springen an das Land.

Die andren drei ersuchen

den Schwanenstein um Stand.

 

Weil selbst das nahe Ufer

wird nimmerfort erreicht.

Mit sturmgepeitschen Wogen

die Höllensee nicht weicht.

 

So stürzen ganz verzweifelt

die beiden Jungs hinauf

zum alten Badeorte

und jede Tür springt auf.

 

Ein jeder eilt zu helfen,

mit Vater-, Mutterherz.

Mit Stangen und mit Seilen

und Flehen himmelwärts.

 

Doch alle Müh verloren.

Man kommt nicht an den Stein.

Derweil auf eis’gem Felsen

die Kinder ganz allein.

 

Da ruft man rings im Lande

nach noch mehr Hilfe aus.

Und alle, alle kommen.

Keinen hält es zuhaus.

 

Vom nahen Fischerhafen,

gar Panzer, Militär.

Selbst durch die Luft geflogen

von fern Berlin hierher.

 

Doch alles Mühen, Wagen

bringt ihnen Rettung nicht.

Der Tag vergeht mit Tosen

und manche Fackel bricht.

 

Erst als am nächsten Morgen

die Sonne wieder scheint,

ist jener Sturm verzogen.

Der Menschen Seele weint.

 

Nun kann man zu dem Felsen,

wo das Unglück stattfand,

zu bergen die drei Knaben

als Eis – doch Hand in Hand.

(2015)

„Unheil am Meer" ist ein Gedicht aus der Kategorie Trauer/Kummer/Schmerz von WFHeiko Thiele, veröffentlicht am 8. September 2026 auf Gedichtesammlung.net.

© WFHeiko Thiele

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WFHeiko Thiele Trauer/Kummer/Schmerz 6 Kommentare ~3 Min. Lesezeit
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WFHeiko Thiele

Walsrode, Deutschland

Ich schreibe seit meinem 2. Schuljahr, mal Kurzgeschichten, mal Gedichte und auch mal den einen und anderen utopischen Roman. Und letztens habe ich mich nun auch mit KI-erzeugter Umwandlung meiner Ged…

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6 Kommentare

G .  .  .  .
G . . . . Poet Laureat
08.09.2026
... gern gelesen, angenehme Metrik
G.
WFHeiko Thiele
Antwort an G . . . .
08.09.2026
Vielen Dank! Dieses Werk beruht übrigens wirklich auf einer wahren Begebenheit in den 50er Jahren und ist nur leicht abgeändert worden.
WFHeiko Thiele
WFHeiko Thiele Autor Versschmied
08.09.2026
Ja, Uschi. in diesem Fall hat es funktioniert. Muß das mal beobachten. Und danke für deine positive Kritik.

Ps.: für eine Audioversion ist es zu lang. Die Dateigröße zu groß. Aber auf YT kannst du es dir ja nochmal gesungen anhören.
1
Uschi R.
Antwort an WFHeiko Thiele
08.09.2026
Lieber Heiko, noch ein kleiner Hinweis, wenn du auf einen erhaltenen kommentar antwortest, so klicke neben den Emojis auf den Antwortbutton, nur so wird der Kommentar auch entsprechend zugeordnet und der kommentierende erhält eine Mailbenachrichtigung. ;-))
Uschi R.
Uschi R. Meisterdichter
08.09.2026
Hallo Heiko,

schön im Fluss geschrieben, da bin ich gerne eingetaucht. Und das mit den Absätzen scheinst du auch hinzubekommen ;-)))

Liebe Grüße
Uschi
WFHeiko Thiele
Antwort an Uschi R.
08.09.2026
Danke für deinen netten Hinweis!

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