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Wo Verse und Tore fallen

USA · Kanada · Mexiko · Juni–Juli 2026

20. Juni 2018

Ab in den Süden

Ab in den Süden

Urlaubszeit, oh welch ein Graus,
millionen Menschen wollen raus.
In warme Länder, dicht ans Meer,
wir mittendrin, - das Gepäck so schwer.

2 Stunden vorher anreisen ist normal,
des nachts jedoch die reinste Qual.
Übermüdet stehe ich am Schalter Schlange.
Es geht nicht voran, - wir warten lange.

Mit dem Koffergewicht haben wir gezockt
und sind deshalb auch nicht geschockt,
dass die Dame, die den Koffer wiegt,
noch ein paar Euros extra kriegt.

Die Leibesvisite fällt gründlich aus,
ich muss aus meinen Schuhen raus.
Im Absatz könnte Rauschgift sein,
ich stehe in Socken, auf einem Bein.

In der Abflughalle herrscht reges Treiben,
wir müssen noch ein Stündchen bleiben.
Kinder weinen in ihre Kuschelkissen,
Mütter haben sie aus dem Schlaf gerissen.

Jetzt gibt man unseren Flug bekannt,
die Fluggäste kommen angerannt.
Glastüren öffnen sich jetzt weit,
ich halte das Ticket griffbereit.

Im Flugzeug begrüßt uns eine junge Stewardess,
im dunkelblauen Airline-Dress.
Ich schaue mich um, ob irgendwo Zeitschriften liegen,
die die Fluggäste der Airline gratis kriegen.

Die Antwort auf meine Frage trifft mich hart:
Zeitschriften werden künftig eingespart.
Egal, ich widme mich jetzt meinem Buch,
zu lesen habe ich für den Flug genug.

Ich schaue mir noch mal mein Ticket an,
- neben mir sitzt ein korpulenter Mann.
Ich habe einen Gangplatz, vielleicht wird es gehen,
man muss sich nur zum Gang hin drehen.

Mit einem Gruß lass ich mich nieder
und schwöre mir: Ich flieg´ nie wieder.
Den Kapptisch kann der Fluggast vergessen,
da bleibt nicht mal Platz für ein spärliches Essen.

Ich lächle rüber zu meinem Schatz,
er nimmt mir gegenüber Platz.
Wie immer, hat er mal wieder Glück,
er begrüßt eine blonde Schönheit, - sie strahlt zurück.

Ich bin erschöpft, merke dass ich gähne.
Ein dicker Arme liegt auf der Lehne,
mein Nachbar schnarcht aus voller Brust,
ich bin gereizt und spüre Frust.

Eine Stunde habe ich im Dunkeln gesessen,
jetzt geht das Licht an, - uns erwartet ein Essen.
Na, jetzt bin ich mal gespannt,
was sich nebenan anbahnt.

Mein Sitznachbar schrickt hoch und ist putzmunter.
Er klappt das Tischchen vor sich runter,
klemmt die Platte zwischen Sitz und Bauch
und Platz für sein Essen findet er auch.

Sechs Stunden konnte ich mich nicht rühren,
musste jede Bewegung vom Nachbarn spüren,
war nervös vom Schlafentzug.....
von Fernreisen habe ich vorerst genug.

© Gudrun Nagel-Wiemer

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Gudrun Nagel-Wiemer

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