Nach dem Krieg
kehrten manche zurück.
Andere
kamen an.
Sie brachten
keine Koffer voller Reichtum.
Sie brachten
ihr Handwerk,
ihre Sprache
und Erinnerungen
an Orte,
die hinter einer neuen Grenze
zurückgeblieben waren.
Ein Unternehmer
verlegte seine Weberei
aus Thüringen
nach Oberfranken.
Mit ihm
kamen viele Menschen,
die ihre Heimat
hatten verlassen müssen.
Wo einst
nur wenige Handwebstühle
klapperten,
begannen nun
Maschinen
den Takt
einer neuen Zeit.
Auf den Straßen
hörte man
thüringische,
sächsische,
schlesische
und ostpreußische Stimmen.
Für uns Kinder
war das
ganz selbstverständlich.
Wir spielten miteinander,
ohne zu fragen,
woher einer kam.
Und eines Tages
merkte niemand mehr,
dass die Kinder
nicht mehr
den Dialekt
ihrer Eltern sprachen.
Sie redeten
fränkisch.
Nicht,
weil sie
ihre Herkunft
vergessen hatten.
Sondern weil
eine neue Heimat
auch
eine neue Sprache
gefunden hatte.
„Neue Stimmen" ist ein Gedicht aus der Kategorie Erinnerungen & Nostalgie von Max Vödisch, veröffentlicht am 12. Juli 2026 auf Gedichtesammlung.net.
© Max Vödisch
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2 Kommentare
Du schreibst prägnant und öffnest mir als Leserin die Bilder der Zeit.
Danke!
Liebe Grüße
Ingrid
MfG
R.O.C.