"Schau doch mal rüber, komm herein.
Ich öffne gern ein Fläschchen Wein.
Wir erzählen uns aus alten Zeiten,
und blättern in vergilbten Seiten.
Vieles ist schon längst verblichen.
Es ist auch so viel Zeit verstrichen...
Inzwischen sind wir alt und grau,
doch ich erinnere mich genau,
wie kalt die Winter damals waren...
Wir mussten Strom und Kohle sparen.
Zur Schule fuhren wir mit dem Rad.
Die Straßen waren vereist und glatt.
Zwei Kilometer ging es bergauf.
Die Kälte nahmen wir in Kauf.
Wir zogen die Mützen ins Gesicht.
Einen Schulbus gab es damals nicht.
Die Sommer waren lang und warm.
Harald war mein Jugendschwarm.
Er lernte mir, mit fünfzehn Jahren,
am Kiesteich, das Motorrad fahren.
Ohne Führerschein fuhr ich los.
Meine Angst war riesengroß.
Harry meinte, macht doch nischt,
wenn dich kein Polizist erwischt.
Ich kam nach Haus und siehe da,
da wusste es schon der Papa.
Der konnte richtig böse schauen
und hat auch manchmal zugehauen.
Die Strafe habe ich geschluckt.
Da habe ich nicht einmal gezuckt.
Ich fühlte mich mutig und so frei.
Erinnerst du dich? Du warst dabei!"
„Erinnerst du dich?" ist ein Gedicht aus der Kategorie Erinnerungen & Nostalgie von Gudrun Nagel-Wiemer, veröffentlicht am 18. August 2026 auf Gedichtesammlung.net.
© Gudrun Nagel-Wiemer
Veröffentliche deine eigenen Werke kostenlos und teile sie mit einer Gemeinschaft, die Poesie liebt — in nur wenigen Minuten.
Jetzt kostenlos veröffentlichen →Bitte melde dich an um zu kommentieren.
Anmelden
3 Kommentare
Da denkt man gerne an die eigenen zurück.
Ach ja - hat die Harry nur das Motorradfahren im Kies beigebracht?
Liebe Grüße Ingrid