eigentlich habe ich heute kaum an dich gedacht
nur beim aufwachen
nur auf dem weg zur arbeit
nur als ein lied lief
das du nie gehört hast
und trotzdem nach dir klang
du würdest wahrscheinlich sagen
dass vermissen anders aussieht
dass menschen die jemanden vermissen
anrufen
nachrichten schreiben
etwas tun
statt zu schweigen
und vielleicht hast du recht
aber du kennst die seltsamen arten nicht
in denen ein mensch bleiben kann
ich sehe dich
in den gewöhnlichsten momenten
in den sekunden
die nichts Besonderes sein wollen
wenn ich an einer roten ampel warte
wenn ich durch einen laden gehe
wenn ich den ersten schluck kaffee nehme
und mich frage
ob du deinen wieder hast kalt werden lassen
es gibt tage
an denen dein name
nicht ein einziges mal fällt
und trotzdem begleitet er mich
wie ein schatten
der nicht bemerkt werden muss
um da zu sein
manchmal schaue ich abends
zum himmel hinauf
nicht weil ich glaube
dass du dasselbe tust
sondern weil ein teil von mir
immer noch nach dingen sucht
die wir hätten teilen können
und vielleicht ist das
mein unbeholfener weg
es zuzugeben
dass zeit nicht dasselbe ist
wie vergessen
dass stille nicht dasselbe ist
wie gleichgültigkeit
und dass zwischen all den tagen
an denen ich nichts gesagt habe
kein einziger war
an dem du mir ganz fern warst
denn die wahrheit ist
ich trage dich nicht
in den großen momenten
sondern in den kleinen
und genau deshalb
gibt es kaum einen tag
an dem ich dich nicht vermisse
„Stille ist nicht Gleichgültigkeit" ist ein Gedicht aus der Kategorie Trauer/Kummer/Schmerz von Orion, veröffentlicht am 21. August 2026 auf Gedichtesammlung.net.
© Orion
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