Die Schönheit unserer Sprache in Versen

Tag der deutschen Sprache

17. August 2022

Krückenmord

Sie ist verhärmt, lebt obdachfrei.

Ihr Rock ist arg verschlissen.

Gebeugt auf Krücken, derer zwei,

die Fußnägel eingerissen.

Es schmerzt ihr jeder Atemzug.

Die Arbeit hat das Herz beschwert.

Die Krücken, die sie bei sich trug,

sind heute keinen Euro wert.

Zwei Burschen hatten unverhohlen,

bei einer üblen Rauferei,

beide Krücken ihr gestohlen,

und traten auch das Holz entzwei.

Ihre Augen sahen Not und Weh.

Sie ist alt: "Habt doch Erbarmen !"

Kälte bedrückt sie, bis zum Zeh,

sie, die Ärmste unter Armen.

Ihr Mann, längst tot, die Rente klein,

kann Deutschlands Mieten nicht zahlen.

Ich seh sie liegen, ganz allein

und leiden unter den Qualen.

Die Frau, sie liegt im Abendrot,

auf ´ner Wiese, nebst der Eiche.

Die Augen geöffnet und doch tot.

Ein Auto holt ab die Leiche.

(c) Olaf Lüken (2022)

„Krückenmord" ist ein Gedicht aus der Kategorie Trauer/Kummer/Schmerz von Olaf, veröffentlicht am 17. August 2022 auf Gedichtesammlung.net.

© Olaf

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Olaf Trauer/Kummer/Schmerz 2 Kommentare ~1 Min. Lesezeit
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2 Kommentare

Olaf
Olaf Autor Meisterdichter
19.08.2022
Hallo Gudrun,
ich habe das unbestimmte Gefühl, dass die Menschen sich immer mehr zurückziehen. In sich selbst. Eine Schildkrötenmentalität macht sich m.E. breit. In der Transaktionsanalyse würde man sagen: Du bist nicht OK,
ich bin nicht OK ! Das ist ein gefährliches Vorzeichen. Wenn die Demokratie ihre Teilnehmerinnen und
Teilnehmer nach Hause schickt, weil ein Oligarchenrest aus Profiteuren unter sich bleiben will, dann Gnade
uns Gott. Vielleicht ist meine Geschichte von der alten Frau etwas überzeichnet. Mit den "Pennern" geht man
gelegentlich schon recht roh um. Jugendliche schlagen ältere Menschen, ohne sie auch nur zu kennen.
Herzliche Grüße in den Tag
Olaf
Gudrun Nagel-Wiemer
Gudrun Nagel-Wiemer Dichterlegende
19.08.2022
Ja, es gibt schon traurige Schicksale, Olaf. Es rüttelt mal wieder wach. LG Gudrun

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