23. August 2026

Wurzeln

als alles zerbrach,
hast du nicht lange gezögert.
du hast die ruinen hinter dir gelassen
und deine hände
in fremder erde vergraben.
hast etwas neues gepflanzt,
während der rauch
noch über dem alten hing.
ich konnte das nicht.
ich blieb.
zu lange vielleicht.
zwischen den verkohlten überresten
von etwas,
das einmal nach zuhause aussah.
ich saß dort,
wo vertrauen gebrannt hatte.
wo versprechen zu staub geworden waren.
und sammelte die trümmer ein,
als würde ich darin
noch irgendeine erklärung finden.
während du längst weitergezogen warst,
lernte ich die form der asche kennen.
wie sie an kleidung haften bleibt.
wie sie selbst nach regen
noch sichtbar ist.
irgendwann verstand ich,
dass heilung nicht bedeutet,
an derselben stelle
auf den wiederaufbau zu warten.
also ging ich.
nicht weit.
nur weit genug,
um wieder atmen zu können.
und ich nahm etwas mit.
nicht dich.
nicht die geschichte.
nur die reste dessen,
was ich daraus gelernt hatte.
ein paar samen.
ein bisschen hoffnung.
und den wunsch,
nie wieder mein ganzes zuhause
in die hände eines anderen menschen zu legen.
also begann ich,
etwas eigenes wachsen zu lassen.
nicht in einem garten.
in mir.
zwischen meinen gedanken.
unter meinen rippen.
an einem ort,
den niemand betreten kann,
ohne eingeladen zu werden.
und vielleicht ist das
die schönste veränderung von allen.
dass die liebe,
die dort jetzt wächst,
nicht darauf wartet,
gewählt zu werden.
nicht darum kämpft,
behalten zu werden.
nicht von jemand anderem abhängt,
um zu überleben.
zum ersten mal
gehört sie mir.
ganz.
und egal,
wer kommt oder geht,
dieser garten
wird seine wurzeln behalten.

„Wurzeln" ist ein Gedicht aus der Kategorie über die Liebe von Orion, veröffentlicht am 23. August 2026 auf Gedichtesammlung.net.

© Orion

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Orion über die Liebe 0 Kommentare ~2 Min. Lesezeit
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