3. Juni 2025

Das Streifenhörnchen

Das Streifenhörnchen

Es war ein heißer Sommertag und von überall erklangen Protest- oder Freudenschreie; denn im TV wurden die WM - Fußballspiele übertragen.

Fred saß – fern vom Joballtag – entspannt, nein nicht ganz – vorm Fernseher und verfolgte den Spielablauf. Der Dackel saß zu seinen Füßen und schnarchte leise vor sich hin.

Da läutete das Telefon – zur Unzeit natürlich.

Ich nahm den Hörer und verschwand in einen anderen Raum. Mama war dran. Sie klang traurig und kämpfte mit den Tränen. „ Perry ist tot! Seit Stunden schon liegt er steif in seiner Voliere. Könnt ihr bitte vorbeikommen und ihn bei euch im Garten begraben? Ich mag ihn nicht einfach so entsorgen; schließlich war er so viele Jahre unser kleiner Hausfreund!“

Perry war ein Eichhörnchen, das schon einige Jahre mehr am gestreiften Buckel zählte, als die Lebenserwartung, die man vorausgesagt hatte. Bei meiner Mutter erreichten alle Tiere – auch die, die noch folgten – ein Methusalem-Alter. Wie ihr das gelungen ist, weiß ich bis heute nicht.

In der Halbzeit fuhren wir zu ihr, um dort das Spiel weiter zu verfolgen. Es war Deutschland gegen ...das weiß ich heute nicht mehr.

Perry lag liebevoll eingbettet im Schuhkarton neben der Tür. Mama schnäuzte sich und wischte unentwegt ihre Tränen weg – ich nahm sie in den Arm und alle schwiegen, bis ein lautes „TOOOOOR!!!“ von meinem Mann, der sonst nie so temperamentvolle Schreie losbrüllte, die Stille durchbrach.

Plötzlich sprang der Deckel des Schuhkartons auf und Perry hüpfte quicklebendig aus seinem Todesbett.

Er war wohl auch Fußballfan.

Mama wurde noch blasser und sie bekam kaum Luft. Ich holte ihr ein Glas Sekt, damit sich ihr Blutdruck wieder stabilisierte. Kurz darauf brachte sie ihrem Auferstandenen sofort Stärkung und zum Nachtisch eine Kirsche; denn die mochte er so gern. Mehr gab sie ihm nicht, weil er nach deren Verzehr schon mal ziemlich angesäußelt war.

Ich kann mich nicht mehr an den Ausgang des Spieles erinnern, aber unsere Stimmung war heiter und die Wiedergeburt wurde noch begossen.

Foto und Text (C) Ingrid Bezold

© Ingrid Bezold

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Ingrid Bezold Lustige Gedichte 4 Kommentare ~3 Min. Lesezeit
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Ingrid Bezold

Mein schönstes Gedicht
ich schrieb es nicht
aus tiefsten Tiefen stieg es
ich schwieg es

Mascha Kaleko

Übrigens:
Ich schreibe mit Herzblut - authentisch, nicht immer perfekt, aber ohne KI.

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4 Kommentare

pally66
pally66 Poet Laureat
03.06.2025
Das muss ja Schreck und Freude zugleich gewesen sein, liebe Ingrid. Wahrscheinlich ist das Streifenhörnchen nur in die Winterstarre gefallen, und bei dem Jubelschrei Deines Mannes ist es in seiner Ruhe gestört worden. Zumindest wurde es jetzt ein feucht-fröhlicher Abend für alle Beteiligten. LG in Deinen Abend,Helga
Ingrid Bezold
Antwort an pally66
03.06.2025
Der Perry war schon 11 Jahre bei meinen Eltern( Lebensdauer meist 7 oder 8 Jahre). Noch nie hat er sich in den Winterschlaf begeben und es war ja Sommer .
Das war wirklich ein Schock und Freude zugleich. Er hat noch ein gites Jahr bei bester Gesundheit gelebt, der Frechdachs
Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße
Ingrid
Ingrid Bezold
Ingrid Bezold Autor Poet Laureat
03.06.2025
Es ist eine kleine Erzählung und zu kurz für eine Geschichte, Gudrun.Schön dass sie dir gefällt.
LG Ingrid
Gudrun Nagel-Wiemer
Gudrun Nagel-Wiemer Dichterlegende
03.06.2025
Eine nette Geschichte. Ich hätte sie hier unter Kurzgeschichten veröffentlicht. LG Gudrun

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