25. Dezember 2023

Nur noch ein Gläschen

Nur noch ein Gläschen

In der Ecke sitzt der Vater,
hat von gestern einen Kater,
heut ´noch völlig durch den Wind
und vom Alkohol halb blind.
Abwesend und kaum anzusprechen,
im Kopf ein Dröhnen und ein Stechen.
Mein Gott, wo ist der Mann geblieben,
den ich immer wollte lieben,
der, wenn es von oben grollte,
mir zur Seite stehen wollte.
Schaut nur her, wie er dort sitzt
und den Alkohol ausschwitzt.
In der schönsten Zeit im Jahr
ist er im Kopfe selten klar.

Er zieht von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt,
obwohl er doch schon sehr betagt.
Dort reizen ihn weder Wurst und Schinken,
- nein, eins, zwei Glühwein muss er trinken.
Am liebsten drei und dann mit Schuss,
weil man die Drehzahl erhöhen muss.
Die vielen Feiern sind auch nicht zu verachten,
das kann man von zweierlei Seiten betrachten.
Atmosphäre und Geschenke sind nichts für den Herrn,
einen halben Liter Wein hätte er erst einmal gern.
Auch den Grappa möchte er heute probieren.
nun darf ich ihn wieder nach Hause kutschieren.
Bei dieser Kälte, Eis und Schnee,
wo ich doch im Dunkeln gar nichts seh´,
da brauche ich all´ meine Kraft,
Herr, wofür werde ich nur bestraft.

Auf dem Weg zum Auto nur ein Schwanken.
„Der Tank ist leer, ich muss auch noch tanken.“
Wie wir so durch die Gegend brettern,
fängt er an zu schimpfen und an zu wettern.
Mal fahr´ ich zu langsam mit seinem Schinken,
das nächste Mal soll ich früher blinken,
dann sagt er, ich fahre zu dicht auf,
häng´ auf dem Vordermann schon drauf,
den ich ganz ehrlich gar nicht seh´,
ich seh´ nur Dunkelheit und Schnee.
Schwankend kommt er zur Haustür rein,
er trank wieder alles, Bier, Schnaps und Wein.
Ich binde mir noch auf die Schuh,
da hat er schon die Augen zu.

Heute schläft der Gute mal zur Probe,
im Sessel an der Flur-Garderobe,
schnarcht´ dass sich die Balken biegen,
das hören nur die Stubenfliegen.
Ich mach das Licht aus und deck´ mich zu,
im Ehebett herrscht heute Ruh!

© Gudrun Nagel-Wiemer

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Gudrun Nagel-Wiemer

Deutschland

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5 Kommentare

pally66
pally66 Poet Laureat
27.12.2023
Einen Schmunzler kann ich mir da nicht verkneifen, liebe Gudrun, aber ein Fünkchen Wahrheit liegt in jedem Humor. Ich kann mir schon vorstellen, dass so manche Ehefrau ihren schwankenden Gatten vom Weihnachtsmarkt holen musste. Glühweinstände gab es ja zuhauf. Einen guten Rutsch ins neue Jahr und lG in Deinen heutigen Abend, Helga
Gudrun Nagel-Wiemer
Gudrun Nagel-Wiemer Autor Dichterlegende
26.12.2023
Hartmut, danke für das Herz. Einiges ist nur ein Scherz.
Doch etwas Wahres ist auch meist dran, wohl dem der ‚s unterscheiden kann. LG in den Tag, Gudrun
Ewald Patz
Ewald Patz Dichterlegende
25.12.2023
Na dann ist es ja gut.LG
Ewald
Ewald Patz
Ewald Patz Dichterlegende
25.12.2023
Du hast es nicht leicht.
Mit dem Auto im Nachts fahren , da geht es mir genauso.
Straße nass und Gegenverkehr, da sehe ich fast gar nichts mehr.
Trotzdem schöne Weihnachten liebe Gudrun
Ewald
Gudrun Nagel-Wiemer
Antwort an Ewald Patz
25.12.2023
Oh je, Ewald, einiges kommt schon mal vor, aber es ist nur ein Gedicht, dass die Schattenseiten der Weihnachtzeit aufzeigen soll. LG Gudrun

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