Ich schaue zur Uhr, es ist recht spät,
- bin wieder mal in Eile.
Ob Mutter schon am Fenster steht,
- vor lauter Langeweile?
Ich sehe sie am Fenster sitzen,
ab und zu schaut sie hinaus.
In ihrem Zimmer wird sie schwitzen.
Sie geht nur selten raus?
Das Pflegheim ist ihr Zuhaus,
sie ist schon leicht dement.
Wo ist denn nur der Blumenstrauß?
Ob sie mich wohl erkennt?
Sie lächelt offen und winkt mir zu.
Heute wirkt sie nicht zerstreut.
Ich hoffe, dass sie sich über die Schuh´,
die ich mitgebracht hab´, freut.
Ich nehme sie in meinen Arm,
- im Zimmer ist es heiß.
„Hier ist es mir viel zu warm...
Hast du jetzt Lust auf Eis?“
Der Glanz in ihren Augen gibt mit Recht.
Sie kann es gar nicht fassen.
„Ein Eis, mein Kind, wäre nicht schlecht.
Wollen wir in die Oker-Terrassen?“
Ich zeige ihr die neuen Schuhe.
„Probiere sie doch mal an.“
Sie stellt sie gleich in ihre Truhe.
„Lass uns doch erst mal fahr`n.“
Ich frage sie, wie es ihr geht.
„Du siehst so traurig aus.“
„Ich langweile mich von früh bis spät.
Hier kommt man ja nicht raus.“
„So hab´ ich mir das nicht vorgestellt,
wann holt ihr mich nach Haus?“
Ich merke, wie mich der Zustand quält.
Atme tief ein und aus.
„Besuch im Pflegeheim" ist ein Gedicht aus der Kategorie Humor & Satire von Gudrun Nagel-Wiemer, veröffentlicht am 21. März 2019 auf Gedichtesammlung.net.
© Gudrun Nagel-Wiemer
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3 Kommentare
Christian, du hast sicher einiges miterlebt. Jeder Besuch ist ein Stich ins Herz. Danke fürs Lesen und deinen Kommentar. Ewald, auch dir lieben Dank fürs Herzchen drücken. Einen schönen Frühlingsanfang wünscht euch Gudrun.
LG
Ewald
Ich war mal Betreuungskraft für an Demenz erkrankte Menschen.