Mein Kreuzweg

1. Station: Ich lebe, das ist alles was ich weiß
Dem Tode nah fühlt man sich als Greis
Ich hab mein Leben kaum genossen
Schon scheint es mir verflossen

2. Station Lieber Sterben als mein Kreuz zu tragen
Doch der Tod ist eine von den Plagen
Die du als Mensch zu tragen hast
Wer sagt schon Danke für diese Last

3. Station Dieser Druck auf meinem Rücken
Konnte mich noch nie entzücken
Er war es, der mich stürzen ließ
In ein elendes Verließ

4. Station Mutter, mehr konnte ich nicht sagen
Ihren Schmerz, wie sollte ich ihn tragen
Verschämt senkte ich meinen Blick
Wir beide wussten, es gibt kein zurück

5. Station Ein guter Freund, ein Wegbegleiter
Wenn ich strauchle, hilft er weiter
Wie kann ich helfen, was kann ich tun
Lass die Last auf meinen Schultern ruh’n

6. Station Die Sonne brannte heiß wie Feuer
Da sah ich sie, die mir einstens teuer
Veronika, auch du hast mich verbannt
Schön und stumm stand sie am Wegesrand

7. Station Auf halbem Weg, weiß nicht warum
Da sah ich mich noch einmal um
Das Schauen hatte nur den Zweck
Dass ich noch tiefer lag im Dreck

8. Station Tausend Gefahren birgt Leben
Lassen zittern, lassen beben
Wer nicht kämpft der hat verloren
Wäre besser nie geboren

9. Station Mein Weg führt in die Einsamkeit
Wo ich vor Räubern nicht gefeit
Dann war ich nackt, wie Gott mich schuf
Echo los verhallt mein Hilferuf

10. Station Blitze zuckten, Donner krachten
Mir war, wie wenn Gespenster lachten
Die Umwelt bot ein scheußlich’ Bild
Dass ich lebte, stimmte mich nicht mild

11. Station Das Entsetzen wies ich in die Schranke
Mein Gott, mein Gott, ein letzter Gedanke
Bevor ich fiel ins tiefe Loch
Rief ich: helft mir, so helft mir doch

12. Station Mein Ruf war noch nicht verhallt
Als es aus der Nähe schallt
Du da, wie können wir dich retten
Helfer kamen, taten weich mich betten

13. Station Weiße Kittel, weiße Wände
Allerorten helfend Hände
Am Bettrand sitzen Frau und Kind
Die Augen noch von Tränen blind

14. Station Mir war, dass ich vom Tod erstanden
Durchbrochen waren all die Banden
Verschwunden auch die Kluft von einst
Veronika, frage ich, du weinst?

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