Abschied



Zu spät.



Als ich vor Wochen noch bei ihm war

Vitamine im Korb und auch Käsekuchen

Da freute er sich und es war offenbar

Ein Glück für uns Beide, ihn zu besuchen

 

Ein alter Mann, über Neunzig schon

Seit einigen Jahren im Altenheim

Lebte im Heute und träumte davon

Bis zum Ende klaren Verstandes zu sein

 

Damals, als ich ihn am Flußufer sah

Führte er mich zu den Orchideen

Brachte mir Heimatgeschichte nah

Und alte Bräuche, die heut´noch bestehen

 

Wälder und Wiesen waren sein Quell

Er schnitzte kunstvolle Gegenstände

Malte mit Vorliebe auch Aquarell

Und wanderte leichtfüßig durch das Gelände

 

Beim letzten Besuch nahm er meine Hand

Er bat mich, bald wieder zu ihm zu kommen

Ich lachte ihn an, versprach´s und verschwand

Hab mir´s für Sonntag fest vorgenommen

 

Heute am Morgen hab ich es erfahren

Nun ist es zu spät für ein Wiedersehen

Mit dem alten Mann. Weil wir Freunde waren

Werd´ ich zu seinem Begräbnis gehen

 

 

Foto: Ralph Bruse

 

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AUTOR:

Ich lebe in Franken und stöbere auch gerne in Gedichten und Geschichten anderer Autoren herum.
Schreiben, malen, lesen, Musik, die Natur und einige gute Freunde.... das ist das, was ich mag.

Ich ging nur hinaus, um einen Spaziergang zu machen, beschloss dann aber doch, bis zum Sonnenuntergang draußen zu bleiben. Denn durch das Hinausgehen, so merkte ich, ging ich eigentlich nach drinnen.


John Muir



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8 KOMMENTARE



04. Mai 2019 @ 16:37

Liebe Ingrid,
ein sehr trauriger Moment, Du hast das in Deinem Gedcht sehr bewegend beschrieben. Mir ist vor Jahren das Gleiche mit meiner Lieblingstante passiert. Ich habe oft mit ihr telefoniert im Altenheim und als ich sie schließlich besuchen wollte, war es leider zu spät, das hat mir so wahnsinnig leid getan. Man sollte nie etwas vor sich herschieben!
Heut ist ein Regentag, hab trotzdem viel Sonne im Herzen! Liebe Grüße Hanni


04. Mai 2019 @ 19:56

Bewegend.

Das Foto kenn ich)))



Schönen Sonntag für Dich

Tschau Ralph


04. Mai 2019 @ 20:36

Liebe Hanni,
Du hast wirklich recht - man soll nichts aufschieben. Dieser liebe Mann war ein bisschen "Wunschpapa" für mich. Wir mochten uns sehr. Danke für den Kommi.
Ralph, danke. Ich hab mir gedacht, dem guten Georg möchte ich einen dankbaren Abschiedsgruß widmen und da fand ich das( nicht geklaute) Foto sehr schön dazu. Liebe Grüße an euch.



04. Mai 2019 @ 21:44

Hallo Ingrid

Boah ist das traurig. Ach Mensch ! ich weiß gar nicht was ich hier hin schreiben soll, so sehr berührt mich das.
Es gibt einen Witz von OTTO im Altenheim wo er fragt : Seid ihr alle da ? Ich finde das total geschmacklos und den älteren Leuten gegenüber respektlos. Unterste Schublade einfach und da hört der Humor bei mir auf.
Wenn ich durch das Pflegeheim spaziere und einige ältere Leutchen sehe- dann frage ich mich- ist der oder die
das nächste mal noch da ? So Gedanken spuken einem im Kopf rum.
Jedenfalls hat mich dein Gedicht sehr berührt. Du kannst es einfach!
Lieben Gruß Heike


04. Mai 2019 @ 21:49

Ergänzung : OTTO fragte im Altersheim : Seid ihr alle da? Aber nicht mehr lange!! Das fand ich total geschmacklos und gar nicht witzig!!!
PS: Bei mir fällt dauernd das WLAN aus, deshalb bin ich mit der Schreiberei etwas durcheinander!!!! Mist!!!!!!


05. Mai 2019 @ 08:36

Giten Morgen, Heike,
danke für Deinen ehrlichen Kommi.
das Gedicht kam "aus dem Bauch raus". Ich schreibe meistens, ohne daran zu feilen. Zumindest, wenn es um persönliche Themen geht. Manchmal gehts natürlich dann schief. Hier nicht, denke ich.

Einen schönen Sonntag für Dich

Rita

06. Mai 2019 @ 10:42

Wenn ich einige flache Kalauer-Texte ringsum einfach ausblende, dann bleibt nur Ihr
Gedicht übrig, das mich auf der Gefühlsebene antippte und beeindruckte.
Sehr schön in Wort und Bild!

Liebe Grüße
Rita


06. Mai 2019 @ 13:42

Es überrascht mich, ein so schönes Feedback von "außen" zu bekommen. Freut mich sehr, dass es Sie beeindruckt hat. Sollte ein Dankeschön posthum an einen lieben Menschen sein.
Das schöne Foto hab ich mir von dem genannten Schreibkollegen ausgeliehen (Ralphs Dichterstube).
Danke, Rita.
P.S. Sie sind doch nicht etwa die Dame, mit der sich Tom zu einem Date verabreden wollte???? (mein Gedicht: Ein Date mit Rita)



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