Abschied



Der verhinderte Abschied

In letzter Zeit kränkelte meine Schwiegermutter immer öfter.

Dann lag sie 3 Tage im Koma.

Der Anruf aus dem Heim kam am 4. Tag. Wir sollten uns auf den Abschied vorbereiten und wenn möglich, die Nacht bei ihr verbringen.Ich rief die engste Familie zusammen und so standen wir an ihrem Bett und ließen die Jahre des Zusammenlebens mit ihr in uns wirken.Die Stunden, in denen sie uns mit ihrem Eigensinn manchmal zur Weißglut gebracht hat und den Duft und Geschmack ihrer wunderbaren Hefekuchen.

Ihre Erzählungen vom Luftschutzbunker, als sie ihre beiden Kinder und die wichtigsten Dokumente eiligst mitgenommen hatte. Die Kämpfe, über die Runden zu kommen ohne Mann, der im Krieg war. 

Ich dachte an die ersten fünf Jahre meiner Ehe, als unser Verhältnis alles andere als innig war. Ihr gefiel es nicht, dass ich die Nägel lackiert und die Lippen rot angemalt hatte. Und das am Bankschalter! Erst, als sie etliche Male bei uns zum Essen eingeladen war und ich auch meinen schwer (Erkältungs)kranken!!!! Mann gesundgepflegt hatte,mochte sie mich.

Später verband uns eine Liebe, wie es sie zwischen Mutter und Tochter gibt.

Dies und noch viel mehr ging mir in diesen Stunden durch den Kopf.

Im Morgengrauen schlug sie plötzlich die Augen auf, sah erstaunt um sich, lachte uns an und sagte unvermittelt: " Die Zeit vergeht, das Licht verbrennt und die Alte stirbt immer noch nicht."

Heimleiter, Arzt, Pflegerinnen und wir standen mit offenem Mund daneben und sahen uns verständnislos an.

Ein halbes Jahr später - am frühen Neujahrsmorgen ist sie dann friedlich eingeschlafen. Ohne uns. 

 

 

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AUTOR:

Ich lebe in Franken und stöbere auch gerne in Gedichten und Geschichten anderer Autoren herum.
Schreiben, malen, lesen, Musik, die Natur und einige gute Freunde.... das ist das, was ich mag.

Ich ging nur hinaus, um einen Spaziergang zu machen, beschloss dann aber doch, bis zum Sonnenuntergang draußen zu bleiben. Denn durch das Hinausgehen, so merkte ich, ging ich eigentlich nach drinnen.


John Muir



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9 KOMMENTARE



18. November 2018 @ 10:39

Noch in Kürze: naklar gehören Tragik und Komik zusammen, Gudrun. Ohne dies würden wir ja in ewiger Trauer versumpfen. Hauptsache, beides hält sich etwa die Waage -
liest sich glaubwürdig. Letzteres klappte bei Teil 2 der Schwiegermutsch doch gut - das wollte ich eigentlich nachschieben, Ingrid.

(Lobt mich bloß nicht über n Klee))) Ich hab, wie jede/r auch, Meisen und Fehler in Masse.
Und meine Stories; Texte sind, wie Eure, auch ewige Baustellen, an denen ich immer und immer nochmal werkele.)

Euch(uns) einen guten Sonntag!


18. November 2018 @ 10:18

Guten Morgen Gudrun,
wie ich gerade geschrieben habe: Alles hat seine 2 Seiten. Eigentlich ist das auch gut, dass jeder die Stories auf seine Weise versteht. Du schreibst in Deinem Kommi, was ich eigentlich ausdrücken wollte.
Ich habe mir Ralphs Ratschläge über die Schreibweise aber zu Herzen genommen und sehe ein, dass ich etliches in meiner Darstellung verbessern könnte. Und ich werde in Zukunft daran "arbeiten". Und das mit Freude.

Dir vielen Dank und ein schönes Wochenende. Ingrid
P.S. Andreas wird mich verfluchen, weil ich ihn gestern gebeten habe, uns wieder zu benachrichtigen, wenn ein Kommi eingeht ( weil der Arne z.B. gar niht mitbekommt, wenn wir in jetzt für ältere Gedichte loben).



18. November 2018 @ 09:59

Naja, das sehe ich nicht ganz so. Es sind eher die kleinen lustigen Geschichten, die uns an unsere demenzkranke Mutter erinnern. Wie oft sitzen wir bei Familienfeiern zusammen und erzählen gerade über solche Begebenheiten. Meine Schwägerin hat täglich mit Demenzkranken gearbeitet und wenn sie alles so ernst genommen hätte, wäre sie an diesem Job zerbrochen. Sie hat vieles mit Humor genommen und ihren Job und die Menschen geliebt. Sollte ich mal in diese Situation kommen, möchte ich lieber lustige als traurige Menschen um mich herum. So hat jeder seine Sichtweise.


18. November 2018 @ 08:56

Guten Sonntagmorgen Heike,
ich wollte mit den beiden Geschichten eigentlich erzählen, dass in der Trauer auch positives ( der Galgenhumor )liegen kann. War daneben. Ich bin dem Ralph dankbar, dass er mir (und vielleicht auch einigen anderen) mit seinem Kommi gute Tipps gegeben hat.
Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn mir jemand schreibt, warum er das Eine oder Andere nicht gut findet. In einem Forum muss man damit rechnen, dass nicht alle applaudieren. Und jeder hat seine Meinung.
Ich denke nach und versuche, mich dadurch weiter zu entwickeln. Einfach, weil es mir Spaß macht.
Alles hat 2 Seiten...…
Übrigens, danke für Dein Herzchen für mein " Ich mag". Du hast verstanden, was ich damit sagen will.

Liebe Grüße Ingrid




18. November 2018 @ 08:13

ich bins nochmal. Mir gehts da genau wie dir . In meinem Umfeld ist überhaupt keiner der mir mal einen Tipp für
meine ganze Schreiberei geben könnte- kein Schreiberling dabei und auch keine Leseratte. Kannste nix machen.
Ich selbst kann niemanden Tipps geben für Kurzgeschichten- weil ich selber welche gut gebrauchen könnte.
Meine Texte wirken manchmal etwas oberflächlich und holprig . Deshalb hab ich meine ganzen Kurzgeschichten hier raus genommen um hier und da noch was zu verbessern oder hinzu zufügen. Bei" Amanda" zum Beispiel :
Die hab ich zum Schluss sprechen lassen. Geister sind eigentlich stumm. ist irgendwie unheimlicher finde ich.
Ich selbst lese auch nicht gerne Geschichten wo so viele Personen drin vorkommen . Wer gehört jetzt wohin und wer zu wem ?
Ich bastel gerade an einer Geschichte rum , wo mein Computer zu mir spricht, komme aber einfach nicht weiter und da kommen nur wir" zwei "drin vor .
Man kann auch traurige Geschichten spannend schreiben - so wie Ralph .
Ich drifte immer wieder ins humorvolle ab, einfach um mich selbst aufzubauen .
Ich kritisiere nicht gerne, weil ich selbst genug falsch mache - auch beim Schreiben.
Besonders bei Dichterkollegen die man sehr mag Nicht etwa weil ich Sorge habe keinen Kommi mehr von dem
oder der zu kriegen- nee - einfach weil ich dem oder der nicht auf die Füße treten möchte .
Manchmal schreibe ich auch und denke hinterher und das ist total blöd. Umgekehrt sollte es sein.
Mit dem Knochen das hätte ich nicht schreiben sollen - war vielleicht etwas geschmacklos - sorry !
Siehste - das mein ich!
Ich finde es echt schön von dem Ralph dass er sich die Zeit nimmt dir Tipps zu geben. Findet man eher selten in
einem Forum und das ist schade.
Das musste einfach mal raus. So- jetzt bastel ich weiter an meiner PC Plappergeschichte . Ob was wird weiß ich noch nicht. Ich geb mein bestes.

bis dann mal wieder Grüßchen Heike



18. November 2018 @ 00:51

Ich bin heilfroh, dass da jemand ist, (Du) der mir Tipps gibt, wie ich eine KG aufbauen, bzw. interessant gestalten kann. Die Leutchen in meinem Umfeld kennen nur ganz wenig Geschreibsel von mir und wissen gar nicht, dass ich mich hier austobe. Es ist auch keine(r) dabei, der mich mal am Kragen packen würde....
Jetzt widme ich mich wieder meinen Versen und irgendwann lass ich meine Fantasie in Geschichten - nicht in traurige Anektoden, die keiner lesen will, fließen.
Ich dank Dir fürs Engagement und schick Dir Grüße in Deinen Schlaf.


17. November 2018 @ 22:39

Galgenhumor hatte sie immerhin...
Könnte ruhig etwas mehr an Länge haben, die KG. Ist ja alles nur angerissen. Schade.
Aber: was jetzt nicht ist, kann noch werden. Und: du bist diesmal viel näher dran an ihr. Das allein finde ich schon um Längen besser, als Teil 1.
Was ich tun würde? Alles und alle, die das Bett der schwerkranken Mutsch umstanden weglassen. Nur ich (also Du) und sie am Krankenbett. Würde sie erzählen lassen, von dem was war und dem, was nicht mehr sein wird. Nur auf sie und dich konzentrieren - so kommst Du ihr, dir - und vielleicht dem Leser/in - viel viel näher.
Gut, dann ist es nicht mehr die ganze Wahrheit und nicht autobigraphisch. Na und!
Muß es das sein? Wir sind schließlich freie Geister, die Fiktion und Realität nach
Belieben mischen dürfen. Und Mutsch wär sicher nicht traurig, wenn du das Wesentliche
bis zuletzt allein mit ihr teilst, auch wenn ein bisschen geschummelt, oder weggelassen
wird. Du widmest ihr die Geschichte ja schon, indem Du sie aufschreibst. Das würde
sie ohnhehin freuen.

Jetzt nicht das Ganze nochmal schreiben - das führt zu nichts und würde dich nur noch
mehr verunsichern. Pack in deine nächste Geschichte einfach weniger Personen rein -
eine, zwei, höchstens drei - und dann los. Erinnere dich an die prima KG mit der Frau an der
Bushaltestelle - nur eine, auf die du dich konzentriertest - und du wirst sehn, daß zuviele
Leute auch zuviel Abschweifen heißt. Alles Herzblut in die eine rein...salopp gesagt.

Eins noch: ich plauderte nur aus meinem Schreibstübchen, Ingrid. Und meine Ansicht ist nur meine und nicht maßgebend. Vielleicht kannste trotzdem was damit anfangen.

So, jetzt muß das Runde ins Eckige - also der Ralph ins Bettchen.
Schlaf gut. Grüße raus, in die Nacht, schickt Dir Ralph






17. November 2018 @ 18:36

Hallo Heike,
ich wollte eigentlich nicht runterziehen, sondern erzählen, was so in der Traurigkeit kurioses passieren kann. Die Energie, die den Humor ( in diesem Fall den meiner Schwiegermutter ) noch rauslassen will. Aber das waren jetzt 2 Geschichten, die ich im Andenken an sie geschrieben habe und das wars dann auch. Jetzt gehts wieder ganz normal weiter - hoffe ich. Ein fröhliches Wochenende wünscht Dir Ingrid


17. November 2018 @ 18:24

Hallo Ingrid

Bei solchen Themen tue ich mich immer sehr schwer und ich glaube damit bin ich nicht alleine - es zieht einem total runter . Ich hoffe dass mir so etwas bei meiner Mutter erspart bleibt, aber man weiß ja nie was die Zukunft noch bringt und ich will :s auch gar nicht wissen Wir genießen jeden Tag zusammen und ich hoffe noch lange.

Ein schönes Wochenende wünsch ich dir Heike




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